Marsch durch die Institutionen: Leere Hoffnung oder rechte Zukunftsvision?
Symbolbild: KI-generiert (Grok)
Ein kaum durchschaubares Machtgewebe hat sich über Jahrzehnte aufgebaut. Doch plötzlich rückt die entscheidende Frage ins Zentrum: Kann man diesen Ablauf kopieren oder bleibt jeder Versuch, ihn umzudrehen, zum Scheitern verurteilt?
Linker 'Marsch' seit 50 Jahren fruchtbar
Auf der Buchmesse "Seitenwechsel" hielt Hans-Georg Maaßen einen Vortrag über den Marsch durch die Institutionen und wie dieser laut Helmut Schelsky vollzogen wurde. Auf die Rückfrage, ob so ein Marsch durch die Institutionen, von rechter Seite aus, auch gelingen würde, antwortete Maaßen mit nein. Das konservativ-bürgerliche Lager sei nicht auf dieselbe Weise im Stande ideologische-Vetternwirtschaft mit dem Ziel der Unterwanderung zu vollziehen so wie das links revolutionäre Lager dies Jahrzehnte lang vollzog. Aber stimmt das und ein Marsch durch die Institutionen von Rechter Seite wäre von Anfang an zum Scheitern verurteilt?
Das besondere an Schelskys Analyse ist, dass diese bereits in den 70er Jahren analysierte, was sich bis zum heutigen Tag in westlichen Gesellschaften abspielt. Helmut Schelsky charakterisiert den Marsch durch die Institutionen als strategische Langzeittaktik der Neuen Linken nach dem Scheitern offener Revolten. Statt direkter Konfrontation zielt sie auf die Eroberung von Schlüsselpositionen in Bildung, Medien, Justiz und Verwaltung ab. Die Institutionen werden nicht zerstört, sondern von innen umgewertet und zu Trägern linker Ideologie gemacht.
Schelsky spricht von einer Priesterherrschaft der Intellektuellen, einer neuen Elite aus Lehrern, Journalisten und Sozialarbeitern, die Deutungshoheit übernimmt und die arbeitende Bevölkerung entmündigt. Die antiautoritäre Rhetorik dient als Tarnung für eine neue Form autoritärer Herrschaft durch Pädagogik und Gesinnungsjustiz. Dieser Prozess führt zur Politisierung des Alltags, zur Entmachtung traditioneller Autoritäten und zur Etablierung linker Hegemonie. Schelsky warnt vor einer stillen Revolution von oben, die Gesellschaft dauerhaft verändert. Seine schärfste Analyse erscheint 1975 im Werk "Die Arbeit tun die anderen".
Blaupause für Rechte möglich?
Schelskys Analyse beschreibt überraschend präzise, was in den letzten Jahrzenten metapolitisch vor sich ging. Nun stellt sich die berechtigte Frage, ob dies auch von rechter Seite aus gelingen würde. Zuerst einmal muss man sich eingestehen, dass die Rechte keine revolutionäre Kraft ist. Die meisten Rechten zielen also keineswegs auf einen revolutionären Systemwechsel ab, sondern auf eine Rettung des Systems durch das System. Bedeutet: man nutzt gewonnene Institutionen, um Sachen in die eigene politische Richtung zu bewirken. Das große Problem hierbei ist jedoch, dass man für diesen Weg zuerst Institutionen auf der eigenen Seite braucht.
Um einen Marsch durch die Institutionen von rechter Seite aus durchzuführen, müssten einige Grundparameter erstmal gegeben sein. Die erste Grundanforderung für so ein Unterfangen ist eine einheitliche Ideologie. Man muss also am selben Strang ziehen. Dies war bei linken Kräften in Form von revolutionärem marxistischen Gedankengut gegeben. Dieses wurde zwar in unterschiedlichen Stärken vertreten, jedoch zog niemand in eine ganz andere Richtung. Beim „Rechten Lager“ ist dies nicht gegeben. Zwischen Libertären, solidarischen Patrioten und Neo-Liberalen gibt es einige kaum überwindbare Ideologische Hürden.
Ist das "Mosaik" nur eine Steinchenwüste?
Selbst der kleinste gemeinsame Nenner in Form von Remigration wird, je nach Richtungen, unterschiedlich interpretiert. Das „Rechte Lager“ hat also eine ungleich schwierigere Ausgangslage, eine Graswurzel-Bewegung zu bilden. Das heißt, wie Rasen natürlich an verschiedenen Orten wachsen, also in einem Marsch durch die Institutionen von verschiedensten Positionen aus am selben Strang zu ziehen. Dies wird aktuell als Oppositionskraft schon deutlich, sobald man wirklich in Institutionen kommen würde, wäre dieser Effekt wesentlich stärker.
Linke Vetternwirtschaft wider rechtes Ideal
Eine weitere Kerncharakteristika des Marsches durch die Institutionen der Linken, war die betriebene Ideologische-Vetternwirtschaft. Wenn sich ein Linker, der erfolgreich eine institutionelle Machtposition ergattert hat, entscheiden muss, wen er Teil der Institution werden lässt, wird er diese Entscheidung meist auf ideologischer Basis Treffen. Das heißt, er sorgt dafür, dass die Institution sich ideologisch ihm immer mehr annähert.
Die rechte bzw. bürgerliche Seite versucht allerdings gerne, ihren Idealen nach, den Fähigsten anzustellen, unabhängig von Ideologie. Die Rechte Seite versucht also bildlich gesprochen beim Tauziehen das Tau festzuhalten, während die Linke es zu sich zieht. Auf einer schiefen Spielwiese, wo der Gegner die Regeln bestimmt, ist das der Waffengleichheit abträglich. Das real sichtbare Ergebnis: Die Institutionen werden immer linker, obwohl das Volk - gemessen an Wahlergebnissen - "immer rechter" wird.
Institutionen aus linken Händen befreien
Ein Marsch durch die Institutionen wäre also wohl kaum von rechter Seite aus möglich, zumindest als Gras-Wurzel-Bewegung. Ein gutes Beispiel hierfür sind Universitäten. Wenn man versuchen würde, einen Gender-Studies Lehrstuhl zu unterwandern, würde man vermutlich scheitern. Wenn man es allerdings schafft, Bundesfördermittel für den Lehrstuhl zu streichen, wäre dem Problem schneller als man gucken könnte ein Ende gesetzt. Gewissermaßen die Dekonstruktion des aufgeblähten linken Apparats, teils um Überflüssiges auszusparen, teils um Platz für eigene Strukturen zu schaffen.
Das bedeutet, man kann durchaus von rechter Seite aus die Hegemonie der "Institutionen" zerschlagen oder zumindest nicht mit ideologischen Gegnern besetzen. Dies könnte eine ähnliche Wirkung wie ein Marsch durch die Institutionen haben. Dafür benötigt man allerdings erstmal politische Handlungsmöglichkeiten. Sollte der nächste Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt von der AfD gestellt werden, würde dies massives Potenzial auch in Deutschland schaffen. Allerdings muss man dieses auch nützen, statt sich mit dem System zu arrangieren. Denn wer den Abbau des "tiefen Staats" und den Aufbau eines Vorfeldes verschläft, sieht sich im Fallesfall einer Übermacht gegenüber.
Bereit für die Verantwortung sein
Als Fazit möchte ich also auf einer positiven Note enden, ein Marsch durch die Institutionen als Graswurzel-Bewegung wird zwar von rechter Seite nahezu unmöglich sein. Das „Rechte Lager“ ist dafür viel zu heterogen. Wenn man allerdings in politischer Verantwortung ist, wird es machbar und sinnvoll sein die Institutionen im eigenen Interesse zu verformen.
Eben diese politische Verantwortung könnte schneller als gedacht kommen und durch richtige politische Entscheidungen könnte man es schaffen, einen reformartigen institutionellen Umbau anzustoßen und den Wunsch eines Marsches durch die Institutionen, zumindest von Ergebnis her, zu erfüllen. Bis dahin gilt es, an der Bereitschaft daran zu basteln. Die Saat dafür ist ausgefahren, doch bleibt es nötig, diese zarten Pflänzchen zu hegen, dass daraus noch einmal ein sturmfester deutscher Wald wird.
+++ Folgt uns auf Telegram: t.me/DerStatus & auf Twitter/X: @derStatus_at +++
Dir gefällt unsere Arbeit? Unterstütze uns jetzt mit deiner Spende, damit wir weiterhin berichten können!
Kontoinhaber: JJMB Media GmbH
IBAN: AT03 1500 0043 9102 6418
BIC: OBKLAT2L
Verwendungszweck: Spende