Angeblich hätten rechte Medienhäuser viel Macht

Jette am Ende: 'Ich werde bestimmt noch mal auffallen'

Sie inszenierte sich als moralische Instanz, doch stolperte über den eigenen Narzissmus: Jette Nietzard verlässt die große politische Bühne. Nicht aus Einsicht, sondern weil selbst die eigene Blase nicht mehr mitspielen will.

Angekündigter Knallrückzug

Sie hatte angekündigt, weiterhin Schlagzeilen machen zu wollen. Und sie hat Wort gehalten. Jette Nietzard erklärte am 30.05.2025 im "Stern": "Ich werde bestimmt noch mal auffallen im nächsten halben Jahr". So kam es dann auch. Im gemeinsamen Podcast von RBB und der Zeitschrift "Freitag" formulierte die geborene Leverkusenerin mit Blick auf eine mögliche Regierungsbeteiligung der AfD im Jahr 2029 jüngst ohne Satire und Ironie: "Ist der [Widerstand] dann intellektuell, ist der dann vielleicht mit Waffen?" (Der Status berichtete) Die Empörung war nicht nur medial groß, auch die eigene Partei nahm zunehmend Abstand von einem Charakter, der fortwährend polarisiert.

Kurz darauf ließ die studierte Erziehungswissenschaftlerin verlautbaren, dass sie beim nächsten Bundeskongress nicht mehr für den Posten als Co-Chefin der "Grünen Jugend" kandidieren wolle. Dass sie ohnehin nahe an die Altersgrenze des Nachwuchsverbandes von 28 rücken würde, lässt sich auf eine neue Amtszeit ein, bleibt indes unerwähnt. Eine dramatische und theatralische Inszenierung über einen durch rechte Hetze verursachten Rückzug verkauft sich deutlich besser als die Erkenntnis, dass sich ein erneutes Antreten möglicherweise aufgrund einer eingeschränkten Legislaturperiode überhaupt nicht lohnen würde.

Schuld sind immer die anderen

Und so holte die 26-Jährige in einem Video zum Gegenschlag aus, machte unbequeme Presseportale für ihre Entscheidung ebenso verantwortlich wie das Mutterschiff selbst. Schuld sind also wieder einmal alle anderen. Diese Taktik kennt man von ihr, sah sie sich beständig als Opfer, als sie beispielsweise mit einem T-Shirt mit der Aufschrift "All Cops are Bastards" für Aufregung sorgte. Lediglich von der "taz" wurde sie damals in Schutz genommen. Die dortigen Berichterstatter erklärten: "Mehrere Menschen verlieren jeden Monat in Deutschland ihr Leben aufgrund von Polizeigewalt, die theoretisch alle treffen kann, besonders aber psychisch Kranke, von Rassismus Betroffene und Schutzsuchende."

Sie selbst wollte im Nachgang nichts von alledem relativieren, sondern untermauerte ihre Position mit der an Perfidität kaum zu überbietenden Einlassung: "Viele Menschen, die nicht weiß sind, haben Angst, wenn ein Polizeiwagen vorbeifährt; und nicht mal jede zehnte Frau, die sexuelle Gewalt erfährt, erstattet Anzeige, weil sie Angst hat, dass ihr nicht geglaubt wird." Befremden löste sie gleichzeitig mit einer Kappe aus, auf der die Raupe Nimmersatt mit der Aufschrift "Eat the rich" ("Friss die Reichen") abgebildet war. Und so reiht sich ein Affront an den nächsten – man kommt aus dem Kopfschütteln kaum heraus. 

Provokation ohne Reue

An die Präsidentin des Bundestages, Julia Klöckner, richtete sie im Anschluss an die beiden Eklats die skurrile Frage, welche der Parolen sie als schlimmer empfinde. Einsichtsvermögen herrscht bei der Expertin für frühkindliche Bildung also keinesfalls. Stattdessen eskaliert sie nahezu mit Bravour fast wöchentlich neu, veröffentlichte am 31. Dezember 2024 auf der Plattform X exemplarisch einen ernst gemeinten Tweet, in dem sie schrieb: "Männer, die ihre Hand beim Böllern verlieren, können zumindest keine Frauen mehr schlagen." Eine Affinität zu Gewalt, Schadenfreude, Pietätlosigkeit und Spott wird man der einstigen Schülersprecherin also zweifelsohne nachsagen können.

Dem in sämtlichen Aspekten rehabilitierten Stefan Gelbhaar brachte sie auch nach Bekanntwerden des offensichtlich als Verleumdungskampagne gefahrenen Prangers gegen ihn größtes Misstrauen entgegen und beharrte darauf, dass er "nicht der einzige Mann [ist], der in dieser Partei und in anderen Parteien Fehler begangen hat". Man müsse Frauen weiterhin Glauben schenken, denn eine feministische Politik lasse vermeintlichen Tätern gegenüber keine "Unschuldsvermutung" zu. Mit dieser Bewertung hatte sie damals sogar FDP-Justizminister Buschmann auf den Plan gerufen, der von einem bedenklichen Verhältnis ihrerseits zur demokratischen Grundordnung ausging.

Schiefe Polemiken als Prinzip

Zwar entgegnete sie im Nachgang, dass sie den Rechtsstaat achte, aber "moralisch und juristisch" unterscheide, weil die allermeisten Vorwürfe in diesem Zusammenhang "nicht falsch" seien. Hinsichtlich des Sozialstaates schlug sie in der Debatte, Bürgergeldempfänger zur Arbeit zu verpflichten, kurzerhand vor, "die größte Gruppe der Arbeitslosen", nämlich "800.000 Privatiers in Deutschland", zu gemeinnützigen Jobs heranzuziehen, seien sie doch auch "die größte Gruppe der Steuerhinterzieher". Ähnlich dreist waren ihre Kommentare zum Rückzug von Christian Lindner: "Ich freue mich, dass der Mann von Franca Lehfeldt jetzt kürzer tritt, um ihr Karriere und Kind zu ermöglichen."

Sogar Renate Künast empfand diese Worte als unsouverän, gab ihr zu bedenken, dass sie sich damit "klein macht". Doch auch hiervon ließ sich die Flüchtlingshelferin nicht beeindrucken. In der ARD-Sendung "KLAR" verkündete sie kurzerhand, dass „Kinder nicht mehr von afghanischen Attentätern ermordet [werden] als von deutschen Vätern." Dass sie den Hamas-Angriff aus Israel am 7. Oktober 2023 demagogisch als "militärische Operation" bezeichnete, dürften indes sogar viele Leute mit Sympathien für die palästinensische Sache & offenen Augen für das Leid der dortigen Zivilbevölkerung befremdlich finden. 

Fasst man die Gemengelage zusammen, kann Deutschland nunmehr dankbar sein, falls diese Person ihren Senf künftig nicht mehr der Debatte beigibt. Die Frage ist einzig, ob es angesichts ihrer Drohung, auffallen zu wollen, nur bei einer frommen Hoffnung bleibt. 

+++ Folgt uns auf Telegram: t.me/DerStatus & auf Twitter/X: @derStatus_at +++

Dir gefällt unsere Arbeit? Unterstütze uns jetzt mit deiner Spende, damit wir weiterhin berichten können!

Kontoinhaber: JJMB Media GmbH
IBAN: AT03 1500 0043 9102 6418
BIC: OBKLAT2L
Verwendungszweck: Spende

Weitere Artikel, die Sie interessieren könnten