Irankrieg als 'Weltpolizei auf Speed': Ist Trump verrückt geworden?
Bild: KI-generiert (Grok).
Ich hatte große Hoffnungen auf Trump gesetzt. Während seiner ersten Amtsperiode hat er mich auch nur geringfügig enttäuscht, obwohl sein manischer Hass auf den Iran schon deutlich erkennbar war. Was er aber jetzt mit Venezuela, Kuba und dem Iran treibt, lässt sich aber selbst unter Berücksichtigung problematischer Seilschaften, kriegstreiberischer Berater und verhängnisvoller Allianzen nicht mehr vollends erklären. Sind sie also tatsächlich schon Resultat geistiger Fehlfunktionen?
Redaktionell bearbeiteter Beitrag von Peter Haisenko aus unserer Kooperation mit Unser-Mitteleuropa.
Alter schützt vor Torheit nicht
Donald Trump wird am 14. Juni dieses Jahres 80 Jahre alt. Da könnte man große Lebenserfahrung vermuten, wenn nicht gar Altersweisheit. Aber es kann auch gelten: Alter schützt vor Torheit nicht. Auf der einen Seite hat Trump erkannt, dass das Außenhandelsdefizit der USA beseitigt werden muss, pervertiert aber seinen richtigen Ansatz, den mit den Importzöllen, zu einer Waffe gegen jeden, der ihm gerade quer liegt.
Seine Ankündigungen sind erratisch und er maßt sich an darüber bestimmen zu wollen, wer mit wem und wann Handel treiben darf. Da befindet er sich jedoch innerhalb einer langen US-Tradition. Man denke nur an Kuba, das seit mehr als 60 Jahren mit US-Sanktionen gequält wird. Oder eben den Iran, der auch seit 47 Jahren mit US-Sanktionen „bestraft“ wird. Wofür auch immer.
Je größer der Stress wird, umso tiefer wird auf die Verhaltensmuster zurückgegriffen, die man als erstes gelernt hat. Trump ist in großem Stress und so kann es nicht verwundern, wenn er die Methoden aufgreift, die die USA seit jeher anwenden und die er auf der Militärakademie als junger Mann verinnerlicht hat. Die Überschrift lautet: Das US-Militär ist unbesiegbar und die USA haben das Recht darüber zu bestimmen, wer gut oder böse ist.
Mit allen logischen Folgen. Als da wären Sanktionen, Embargos und militärische Überfälle. Immer unter der Flagge „Wir sind die Guten“. Wir sagen allen Staaten der Welt, wie sie regiert werden müssen. Auch unter Gewaltanwendung. Wir wissen, was gut für die Menschen und die Welt ist. Kann man mit dieser edlen Gesinnung überhaupt Fehler machen?
Wer regiert die USA wirklich?
Trump ist mit der Unterstützung pro-israelischer Lobbygruppen ins Präsidentenamt gekommen. Auch eine Nähe sowohl seines eigenen Dunstkreises zur "Epstein-Connection" sowie wiederum dessen Kreise zu Vertretern des offiziellen Israels sind längst ruchbar. Er hat in seiner Umgebung viele Berater, die aus denselben Kreisen kommen. Die wollen nun die andere Seite des Deals honoriert wissen. Er weiß somit, in welche Schwierigkeiten er kommen wird, wenn er diese Allianz aufkündigt und steckt so in einer Zwickmühle. Wie der Angriff auf den Iran gezeigt hat, hat ihn Netanjahu in diesen Krieg gezwungen, indem Israel den Angriff gestartet hat. Ob er wollte oder nicht.
Allerdings hat Netanjahu da ein leichtes Spiel gehabt, denn sein Hass auf den Iran ist schon seit seiner letzten Amtszeit bekannt. Hass ist immer ein schlechter Berater und so hat er Warnungen seines eigenen Militärs in den Wind geschossen. Seine Abhängigkeit von israelaffinen Kreisen - die Lobbyorganisation AIPAC gibt jährlich hunderte Millionen zur Beeinflussung der US-Außenpolitik aus - hat ihn in eine schwierige Situation gebracht, denn der Iran zeigt sich gut vorbereitet. Er ist in der Lage zu diktieren, wann dieser Krieg enden wird. Und auch wie. Die Militärbasen der USA im persischen Golf haben schwere Treffer hinnehmen müssen. Die Straße von Hormus ist zu, was nicht nur Europa wehtut.
Israel-Bündnis als gefährliche Hypothek
Es war eine große Dummheit, sich von Israel in diesen Krieg hineinziehen zu lassen, dessen Vorgehensweise in Gaza, im Westjordanland und im Libanon zurecht von breiten Teilen der Weltgemeinschaft verurteilt wird. Aber hätte er anders handeln können? Und so wird ein eng verzahntes Bündnis mit der selbst bei kritischen Israelis umstrittenen Netanjahu-Regierung und dem in beiden Ländern angeschlossenen militärisch-industriellen Komplex zum "Pakt mit dem Teufel".
Die gezielte Ermordung iranischer Politiker und Wissenschaftler hat ebenso nichts mehr zu tun mit Völker- oder Kriegsrecht. Die Westpresse macht zumindest hier insofern noch mit, als dass sie die Ermordung dieser Personen euphemistisch als „Tötung“ bezeichnet. Es wäre interessant zu sehen, ob ebendiese Medien auch von einer Tötung sprechen, wenn Netanjahu durch eine iranische Rakete sein Ende finden sollte. Ich denke, in diesem Fall wird korrekt von einem Mord berichtet werden.
Trump bringt Ehrlichkeit in die Westmedien
Donald Trump hat die mit der israelischen Kriegspolitik kongruente Weltpolizei-Doktrin als neue, perfide Lesart von "America First" übernommen. Nur eben in größerem Maßstab und im Zeitraffer: Venezuela, Kuba und jetzt Iran. Er beißt um sich wie ein tollwütiger Hund. Interessant daran ist, dass der Rest des Westens trotz der sonstigen Fortführung alter medialer Muster seither immerhin einen neuen Ton gegenüber der amerikanischen Regierung angeschlagen hat. Eben weil der Hass auf Trump es ermöglicht.
Achtet auf die Berichte zum Iran-Krieg. Zumeist kommt im ersten Satz, dass es Israel und die USA waren, die den Iran angegriffen haben. Das gab es bisher nicht. Hat man die US-Angriffe auf den Irak, Libyen oder sonstwo vorher jemals als das benannt, was sie allesamt waren? Nämlich brutale Angriffskriege? So gesehen hat Trump im Westen wenigstens für mehr Ehrlichkeit gesorgt. Also vielleicht kann Hass ja doch manchmal auch Gutes bewirken...
Verspätete Wiederwahl als Lunte
Nun sollte man auch Trumps persönliche Situation betrachten. Man kann davon ausgehen, dass die Weltpolitik anders verlaufen wäre, wenn Trump nicht unter bis heute für Fragezeichen sorgenden Umständen um seine Wiederwahl gebracht wurde. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass jedenfalls der Ukraine-Krieg nicht stattgefunden hätten, wäre Trump damals im Amt geblieben. Diesen hat Ex-Präsident Biden zu verantworten. Er und sein Sohn haben sich da auch die Taschen gefüllt. Biden hat Trump ein schwieriges Erbe hinterlassen.
Man darf annehmen, das Trump darob sehr frustriert ist. Und man sollte auch nicht außer Acht lassen, dass Trump jetzt vier Jahre älter ist. Er wird dieses Jahr 80. Da bleibt ihm nicht mehr viel Zeit, seine Pläne in die Tat umzusetzen. Eine zweite, respektive dritte Amtszeit kann ausgeschlossen werden, obwohl es theoretisch möglich wäre. Auch nach der US-Verfassung. Und so kann man auch darüber spekulieren, ob Trump es vor einigen Jahren noch als nötig empfunden hätte, den Iran-Krieg anzuzetteln, oder ob dieser auch ausgeblieben wäre. Oder ob er sich im Bestreiben, ein "Friedenspräsident" zu sein, vielleicht sogar von seinen "Beratern" hätte lossagen können.
Anschlagener Boxer braucht seine "Coaches"
Trump hat erkannt - ja, erkennen müssen - dass er weitgehend gescheitert ist. Man sagt, ein angeschlagener Boxer ist besonders gefährlich. Trump befindet sich in etwa dieser Lage. Aber wie beim Boxer, der einige harte Schläge an den Kopf bekommen hat, weiß man nicht, inwieweit die Hirntätigkeit davon eingeschränkt ist. Auch insofern, dass er mit blutunterlaufenen Augen, die nur noch ein verschwommenes Bild zeichnen, nur noch seinen Sieg zu erlangen sucht, ohne Rücksicht auf seinen möglichen Untergang.
Und dazu die Berater, die schon während der ersten Amtszeit Trumps angekündigte Ziele hintertrieben haben. Man hat Trump übel mitgespielt und das macht etwas mit jedem, nicht nur mit Trump. Wem soll er noch etwas glauben? Er selbst zählt wohl nicht zu den Menschen, die sich aus eigenem Wissen ein zutreffendes Bild der Weltlage machen können. Er ist manipulierbar von den Leuten, die ihre Ziele überzeugend rüberbringen können. Darüber hat er wohl auch eine unscharfe Ahnung, aber was soll er tun?
Und so beißt der bellende Hund doch
Die zweite Amtszeit Trumps ist somit eine fortschreitende Katastrophe. Kaum ein Land ist verschont geblieben von seinen wüsten Drohungen. Mit Zöllen, Handelsembargos und dem Militär. In erratischer Weise, die in der Welt ihresgleichen nicht finden kann. Außer natürlich bei früheren US-Regierungen. Damit bin ich bei den USA allgemein angekommen. Und bei dem Land, das über Jahrhunderte die Grundsteine für fast alle Kriege gesetzt hat: England.
Und so muss man die „Angelsachsen“ oder besser alle muttersprachlich englischsprachigen Länder genauer ansehen. Warum können die keine Ruhe geben? Warum können die nicht zufrieden sein, mit dem was sie erreicht haben? Warum ist für die die „Weltherrschaft“ ein immer dagewesenes Ziel? Ich denke, da muss man auch die englische Sprache betrachten.
Sprache formt das Denken
Dazu zitiere ich Michael Ende, den berühmten Autor von „Jim Knopf“ und „Momo“. Gerade in Momo bringt er etwas verschlüsselt Kritik am kapitalistischen System an. Aber seine wohl wichtigste Erkenntnis lautet: „Was in der Sprache nicht vorkommt, kommt auch im Bewusstsein der Menschen nicht vor.“ Der Ungar hat zwei Wörter für rot, der Japaner keines für blau, das nicht auch grün meinen kann. Der französische politische Jargon ist feuriger und militanter und so brennen dort Barrikaden bei Maßnahmen, die der deutsche Michel mit Schulterzucken hinnimmt. Der Linguist kennt diese muttersprachlich bedingten Mentalitätsunterschiede übrigens als "Sapir-Whorf-Hypothese".
Und so wie die deutsche Sprache kein Wort für "nicht durstig" kennt, hat das Englische eben keine gleichwertigen Worte für das „satt“ und „zufrieden“. Ein etymologisch theoretisch greifbares "at frith" ist als massentaugliches Wort nicht auf uns gekommen. Wie kann man folglich erwarten, dass die Politik der Anglosphäre jemals zufrieden ist mit dem, was sie erreicht hat? Die Geschichte hat gezeigt, dass auch die britische Außenpolitik niemals den Zustand der Zufriedenheit erreichte, eben zum Frieden zu finden. Man denke nur an ihre Rolle im Ukraine-Konflikt ("Nichts wird unterschrieben, es wird gekämpft!"). Auch das unersättliche Finanzsystem wurde von Anglophonen entwickelt & dominiert.
Wenn Frieden keine Kategorie ist
Meines Wissens spricht der deutschstämmige Trump nur die englische Sprache. Und so ist im muttersprachlichen Bewusstsein die "Zufriedenheit" im Wortsinn nicht enthalten. Er kann diesen Zustand nicht erreichen, sie existiert weder in seiner Sprache, noch in seinem Denken. Ja, es gibt Umschreibungen für diese Konzepte, aber sie erreichen nicht annähernd dieselbe Kraft. Sprachlich verwarf man den bedeutungsgleichen frith im Mittelenglischen für den lateinischen pax, der etymologisch so viel wie "vertraglich gebunden" bedeutet. Die Anglosphäre liebt bis heute Verträge, die man anderen diktieren kann, aber sie selbst nicht binden.
Ob es im Hebräischen solche Adäquate gibt? Das dortige Friedenswort "shalom" leitet sich von einer Wurzel ab, die "sicher, ganz, vollständig" bedeutet und ist urverwandt mit dem arabischen "aslama", das so viel wie "unterworfen" heißt. Wer Expansionspolitik als ganzheitliches Sicherheitsinteresse betrachtet und auch noch religiös auflädt, erschafft eine gefährliche Kombination. Dazu gesellt sich der politische Missbrauch eines originär religiösen Dogmas göttlicher Auserwähltheit, wie es passenderweise auch in den USA existiert ("God's Own Country"). Wer sich im Bunde mit Gott wähnt, nimmt mangels irdischen Richters leider oft keinerlei Rücksicht auf Menschenleben mehr.
Psychopathen zerstören die Welt
Trump selbst musste jetzt erleben, wie diese Allmachtsphantasien der US-Psychopathen an der Realität zerbrechen. Und ja, auch Trump ist in gewisser Weise ein Psychopath. Wie die meisten unserer westlichen (Macht-)Politiker. Kann man es anders sehen, etwa angesichts der selbstmörderischen Energiepolitik und der Verweigerung, preiswerte Energie aus Russland zu beziehen? So komme ich zu dem Schluss: Trump ist auch nur ein Ami, gefangen in der imperialistischen Tradition der USA.
Die fliegt ihm aber gerade um die Ohren und er hat keine vernünftige Lösung für sein Problem. Da kann man schon verrückt werden und die dümmsten Dinge machen. Das Ganze unter der Überschrift seines Hasses auf den Iran, der sich partout nicht unterordnen will. Seine Abhängigkeit von pro-israelischen Vorbetern ist da nicht förderlich. Der Krieg gegen den Iran, der den USA nichts angetan hat, kann allerings nicht vollstäbdig rational erklärt werden. Auch nicht mit "deus lo vult".
Zwischen Atombombe und Sanktionen
Es sind Psychopathen am Werk und so kann nicht gänzlich ausgeschlossen werden, dass Trump Atombomben gegen den Iran einsetzen wird, um seine drohende Niederlage dort zu kaschieren. Allerdings würde das die USA zum Paria machen und es könnte geschehen, dass der Rest der Welt, inklusive der Europäer, endlich das tun, was seit Jahrzehnten überfällig ist: Endlich Sanktionen gegen die USA zu verhängen. Das aber würde das Ende der USA einläuten, denn es gibt kaum einen Staat, der abhängiger von Importen ist, als die USA.
Zur Erinnerung: Immerhin zeigen die Berichte in Europa über den Angriffskrieg gegen den Iran schon eine bis dahin unbekannte Sprechweise. Im ersten Satz wird immer angeführt, dass es Israel und die USA sind, die diesen Angriffskrieg begonnen haben und der Iran verteidigt sich. Das hat es noch nie bei einem Angriffskrieg der USA gegeben. Der Hass auf Trump hat das ermöglicht. Trumps Angriffskrieg gegen den Iran, der vor allem für Israel geführt wird, hat die Welt schon dramatisch verändert. Der hegemoniale Anspruch Washingtons in Sprache, Wahrnehmung und Realpolitik steht auf dem Prüfstand.
Niederlage, Pyrrhussieg oder Weltfrieden?
Zusammen mit dem Ukraine-Krieg muss die Schlagkraft des US-Militärs und seiner Waffen neu bewertet werden. Wenn schon der seit 47 Jahren sanktionierte Iran in der Lage ist, ernsthaft Paroli zu bieten, müssen alle Psychopathenträume bezüglich China und vor allem Russland ad acta gelegt werden. Da kann man als amerikanischer Präsident schon in den Wahnsinn fallen, wenn man zu seinem 80. Geburtstag konfrontiert wird mit dem Ende aller Weltbeherrschungsphantasien seiner Nation, die er doch "wieder groß machen" wollte und dem Scheitern seiner gesamten Weltpolitik. Gewissermaßen muss man also Iran, Russland und China dankbar sein.
Denn iese Umbrüche könnten auch Deutschland helfen, wieder ein souveränes Land zu werden. Die Forderungen werden schon vonseiten patriotischer Politiker ausgesprochen, die Präsenz des US-Militärs in Deutschland zu beenden. Na ja, neu ist das nicht. „Ami go home“ war schon das Motto der Linkspolitiker in den 1960er Jahren, bevor einflussreiche Linke auf die transatlantische Linie gebracht wurden und diesen Anspruch vergaßen. Vielleicht klappt es ja diesmal. Das wäre ein Schritt zum Weltfrieden.
Die Sichtweisen in Gastkommentaren repräsentieren lediglich den Standpunkt der Autoren und entsprechen nicht zwingend der Redaktionslinie. Dies gilt auch für Meinungsstücke, die an gewissen Passagen eine umfassende redaktionelle Bearbeitung durchliefen, da sich diese nach unserem Journalismusverständnis stets an der generellen Stoßrichtung des Autors orientieren sollen . "Der Status" legt vor allem Wert auf eine differenzierte Darstellung unterschiedlicher patriotischer Betrachtungen zum Irankrieg, ohne sich diese zueigen machen zu müssen.
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