Iran-Krieg als geopolitische Zäsur: 'Freiheit & Demokratie' keine Exportschlager
Bild: U.S. Army/Department of Defense, U.S. Army Soldiers support Operation Epic Fury, March 13, 2026. (U.S. Army photo), gemeinfrei
Was als schneller Militärschlag verkauft wurde, entpuppt sich als geopolitisches Chaos. Der Krieg gegen den Iran zeigt die ganze Hybris westlicher Machtpolitik: Kurzsichtig, zerstörerisch und blind für die Folgen.
Soll der Iran der westlichen Hemisphäre einverleibt werden?
Zunächst ging man von ein paar Tagen aus, dann waren es sechs Wochen, im Augenblick entwickelt sich der Krieg gegen den Iran zu einer schier endlosen Geschichte. Ein hochrangiger Vertreter des „Mullah-Regimes“ nach dem nächsten wird „eliminiert“, nun hat es auch Sicherheitschef Ali Laridschani getroffen. Zwar war der ehemalige Sprecher des Parlaments für den Schutz der Machthaber zuständig, galt aber als pragmatisch und gemäßigt. Sein Tod hinterlässt viele Fragen, vor allem nach dem Konzept des Militärschlags insgesamt. Momentan sieht es nicht danach aus, dass es zu einem Umsturz kommt. Es wird also eine Zeit danach geben, in der man wiederum auf diplomatische Verhältnisse angewiesen ist. Doch wenn Israel all jene tötet, zu denen Washington eigentlich Gesprächskanäle offenhielt, mit denen man verhandeln konnte, die zugänglich waren, Ansprechpartner gewesen sind, dann wirkt die ganze Operation wenig durchdacht, ziemlich kurzsichtig, bestimmt nicht nachhaltig.
Die letzten Gesprächspartner von der Landkarte zu tilgen ist kopflos
Könnte sie wiederum zu einem Rohrkrepierer werden, wie man ihn schon so oft bei amerikanischen Einsätzen erlebt hat? Irak, Afghanistan, Syrien oder Libyen: Immer wieder betonten die Vereinigten Staaten, aus hehren Gründen zu agieren. Massenvernichtungswaffen fand man in Bagdad nie, wie weit fortgeschritten das Atomprogramm Teherans gewesen ist, auch darüber kann man spekulieren. Präventiv wirkte wenig, stattdessen sind es eher handfeste Interessen in Form von Ressourcen und Naturalien, wohl kaum die Befreiung des Volkes, welche leiteten. Erneut maßt man sich an, darüber zu entscheiden, was das Beste sei. Der sogenannte Wertewesten glaubt noch immer, sein Verständnis von Demokratie ist ein Exportschlager. Dass nicht jede Gesellschaft auf unserem Globus daran interessiert scheint, in dieser Staatsform zu leben, respektiert weder Trump noch Netanjahu. Ohnehin dürften ihnen Ideale schlichtweg egal sein, wenn der Reiz überwiegt, Chaos stiften zu können.
Es ist anmaßend, zu glauben, die ganze Welt würde westliche Freiheit verehren
Denn genau diese Entwicklung dürfte man erwarten können, sie wäre zumindest typisch für alle größeren Konfliktherde, aus denen sich das Weiße Haus zurückzog, nachdem es für Unruhe gesorgt hatte. Man muss kein stringenter Pazifist sein, um zu der legitimen Auffassung zu gelangen, dass bisher wenig Überzeugendes erreicht wurde. Zwar mag die Dynastie Chamenei vorerst geschwächt, Strukturen unterbrochen, Infrastruktur zerstört sein. Doch das Herzstück des Islamismus scheint zu funktionieren, weil die Mehrheit der Bürger Diktatur und Fanatikern nicht unbedingt argwöhnisch gegenübersteht. Das mag aus unserer Perspektive schwer zu verstehen sein, doch manchmal wird Kontinuität unter tyrannischen Bedingungen als das kleinere Übel angesehen als die Revolution zur Ungewissheit. Der wiederkehrende Fehler unserer Denke ist der verengte Blick mit Scheuklappen, welcher glauben lässt, das eigene Verständnis von einem Miteinander sei zwingend erstrebenswert für Andere.
Öl, Gas und eine Menge an Großmachtstreben: Die Interessen der USA werden klarer
Was aus dieser Hybris folgt, ist nicht selten ein Vakuum. Da wurde gezündelt, um den Vollbrand ohne Feuerwehr, auf sich alleine gestellt, zurückzulassen. Verantwortungslosigkeit gegenüber jenen, denen man Hoffnung und Zuversicht machte, sie dann aber bitter enttäuschte. Es geht nur selten um Ziele von moralisch übergeordnetem Rang, sondern um die niederen Instinkte. Hier sollte man sich nichts vormachen, egal, wie enthusiastisch sich enge Befürworter gegenüber der MAGA-Bewegung zeigen. Da wird kein Gehandelter als Friedensnobelträger in die Geschichtsbücher eingehen, solange durchsichtig bleibt, dass es in Wahrheit um eine neue Sicherheitsarchitektur geht. Manchmal stellvertretend, bisweilen aber auch originär, machen sich waschechte Imperialisten startklar, zur Verteidigung einer wachsenden Hegemonie, die die Trennlinie zwischen den Hemisphären gen Osten verschieben soll. Wer glaubte, im 21. Jahrhundert wäre das Großmachtstreben vorbei, war schlichtweg naiv.
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