'Friendly Fire' kommt Verrat gleich

Heckenschütze wider Höcke: Als Lucassen der AfD in den Rücken schoss

Meinung
Hintergrund: Freepik (2); Lucassen: Olaf Kosinsky, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 DE; Höcke: Steffen Prößdorf, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0; Komposition: Der Status.

Der AfD-Abgeordnete Rüdiger Lucassen stellt sich im Rampenlicht gegen den Thüringer AfD-Chef Björn Höcke und liefert damit Munition für alle Gegner der Partei. Ein Akt der Illoyalität, der das Potenzial in sich trägt, mehr zu zerstören als so manche Attacke von außen. Gerade aus dem Mund eines langjährigen Offiziers ist es ein unkameradschaftlicher Schuss in den Rücken, wenn man Parteifreunden das Wort im Mund umdreht, um ihnen die Verbundenheit zur Heimat abzusprechen, nur weil sie ihre Kinder nicht für Merz, Flinten-Uschi & Co. an der Front verbluten lassen wollen.

Lucassen spricht Parteifeind Höcke die Vaterlandsliebe ab

Es ist eine alte Redewendung, aber ihr allzu oft wahrer Kern überdauert sich nicht: Wer solche Parteifreunde hat, der braucht keine Feinde mehr. Entsprechend kam es wenig überraschend, dass sich der Bundestagsabgeordnete der AfD, Rüdiger Lucassen, nach seiner Rede zur „Neuen Wehrpflicht“ im Plenum massiver Kritik ausgesetzt sieht.

In ebendieser tat er kund: „Der Thüringer Landesvorsitzende meiner eigenen Partei hielt am Mittwoch eine Rede im Erfurter Landtag zur Wehrpflicht. In dieser Rede kommt er zu dem Schluss, dass Deutschland es nicht mehr wert sei, dafür zu kämpfen. Was hätten wohl die Männer und Frauen der Befreiungskriege dazu gesagt? Sie wären diesem Befund niemals gefolgt“.

Mit diesem Verbalangriff auf Björn Höcke hat sich nicht nur ein unsolidarischer Charakter offenbart, der in aller Öffentlichkeit einen Vertreter aus seinen Reihen brüskiert, auf Distanz zu ihm geht und ihn erkennbar an den Pranger stellt. Sondern da entlarvt sich ein Mandatar der schlichten Lüge. Schließlich erweist sich seine Zusammenfassung als falsch, verkürzt sie die Position des Erfurter Fraktionschefs in manipulierender wie entstellender Weise, die mit dessen Einlassungen kaum etwas gemeinsam hat.

Lucassen verfälscht Höckes Zitat bewusst

Selbige umfassten nämlich den korrekten Wortlaut: „Diese Politiker […] kommen auch ins Stottern, wenn sie die Gründe darlegen sollen, wofür junge Menschen in unserem Land notfalls in den Tod gehen sollen. Das müssen schon sehr gute Gründe sein! Hohle Phrasen genügen dafür nicht. […] Für ‚den Staat‘ zu sterben ist niemand freiwillig bereit — für ein Vaterland sehr wohl. Das setzt aber voraus, dass man damit überhaupt noch etwas verbinden kann“.

Es geht also um einen wesentlichen Unterschied: Höcke differenziert, dass wir unsere Kinder nicht für das vorherrschende System in den Krieg schicken sollten. Die Bereitschaft, sich dagegen für eine Heimat zu opfern, mit der wir uns gleichzeitig identifizieren können, stellt er ausdrücklich nicht in Frage.

Was Lucassen bei seiner Wiedergabe des Inhalts getan hat, ist eine unentschuldbare Verzerrung, ein bewusstes Zurechtschneiden von Zitaten, mit dem augenscheinlichen Ziel der handfesten Eskalation interner Streitigkeiten. Dieses Provozieren eines auf Abstand Gehens im Rampenlicht hat seine Motivation und Ursache nicht zuletzt in einer grundlegend unterschiedlichen Ideologie zweier diametral konkurrierender Strömungen.

Hier könnt ihr den genauen Höcke-Wortlaut nachlesen:

NATO-Treuer Westalliierter trifft auf Heimatliebhaber

Da stehen sich also ein ehemaliger Oberst und ein früherer Lehrer gegenüber. Erstgenannter ist als verteidigungspolitischer Sprecher für seine strenge Westbindung bekannt, der das transatlantische Militärbündnis unterstützt und sich für eine proeuropäische, antipazifistische Stärkung der Allianz, allerdings gegen ihre globalen Interventionen engagiert. Er fordert mehr Ausgaben für die Armee und eine potenzielle Aufrüstung, verweist auf geopolitische Bedrohungen. Unrühmliche Schlagzeilen wurden ihm dank des Anwurfs von „Volksverrat“ in Richtung russlandaffinen Köpfen wie Steffen Kotré zuteil.

Zwar wird er für seine Expertise geschätzt, aber auch für seine Illoyalität gebrandmarkt. Es wäre nicht übertrieben, ihm das Ansinnen der Spaltung zu unterstellen. Seine erkennbare Nähe zur Union und das peinliche Bestreben zur Anpassung an die Etablierten um der Regierungsverantwortung willen brachte ihm das undankbare Prädikat des Häretikers ein. Schließlich wird er von der CDU gelobt, von dort als „Kurskorrektur-Hoffnung“ gepriesen. Inwieweit man seinem nationalkonservativen Profil vertrauen kann, scheint angesichts seiner jüngsten Denunziation recht unklar.

Verrat auf offener Bühne schadet Partei massiv

Die Ignoranz hinsichtlich der notwendigen Abwägung, ob die Jugend für den Bundesadler oder Schwarz-Rot-Gold eintreten soll, ist schon allein deshalb von entscheidender Bedeutung, weil sie die grundlegende Einschätzung über den Zustand dieser Republik tangiert. Wer will schon einen Zustand der andauernden Massenmigration, der sittlichen Preisgabe, der ethnischen Verdrängung, der demokratischen Erosion, der woken Geschlechtervielfalt, der widersinnigen Brandmauer, des historischen Schuldkults oder der ökologischen Transformation bewahren, schützen und sichern?

Lucassen fordert die generelle und zweifelsfreie Hörigkeit mit Blick auf die Eliten in ihrem politischen Elfenbeinturm ein, grenzt sie völlig unzureichend von einem an sich noblen, ehrenwerten und teuren Zuhause ab. Patriotismus bezieht sich nicht auf den Apparat und seine Strukturen, sondern das Land, seine Gesellschaft, Tugenden, Werte, Güter, Prinzipen und Menschen. Wer die Jugend in sinnbefreite Konflikte entlässt, weil sie ohne Plan und Orientierung für das ist, worauf sie aufpassen und wofür sie sich verbürgen soll, der handelt im Geiste und Profit fremder, aber eben nicht eigener Mächte.

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