Völker, hört die Signale

Das letzte Gefecht: Babler zwischen 'Kraft durch Freude' & Stalin-Hymne

Meinung
Bild: Bernhard Holub, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Was ist Österreich doch gesegnet mit seinem Vizekanzler, der ebenso von politischer Hochintelligenz gesegnet ist, wie ihm die Herzen des Proletariats zufliegt! Oder so hätte es die Erzählung der Genossen zu ihrem großen Vorsitzenden gerne, der in Wahrheit über das politische Parkett stolpert und kein Fettnäpfchen auslässt. Zuletzt raunte der etatmäßige Kulturminister bei einer Vorveranstaltung zum ESC sogar die Naziparole "Kraft durch Freude" ins Mikro, die mediale Empörung bleibt ebenso einseitig aus, wie wenn er Lieder trällert, die kommunistischen Terror-Regimen als Hymne dienten, die Abermillionen Tote auf dem Gewissen haben.

"Kraft durch Freude" aus Bablers Mund

Jössas, das hat er nicht wirklich gesagt? Oh doch: "United by Music - diese vereinigende Kraft durch Freude, Offenheit und Vielfalt, das ist die wunderschöne Idee des europäischen Songcontests, die heute wieder besonders aktuell ist". Diese äußerst unglücklich gewählten Worte rutschen SPÖ-Kanzler Andreas Babler bei einer Rede im Beisein der neuen ORF-Generaldirektorin heraus. Zur Erinnerung: "Kraft durch Freude" war das nationalsozialistische Programm zur "gesellschaftlich-kulturellen Neuordnung der Volksgemeinschaft", in dem auch körperliche Ertüchtigung eine große Rolle spielte.

Nun fielen diese Worte ausgerechnet aus dem Mund des österreichischen Kultur- & Sportministers - und der mediale Aufschrei blieb aus. Als FPÖ-Chef Herbert Kickl einst als Innenminister im Nebensatz davon sprach, dass man Asylanten "konzentriert an einem Ort" unterbringe, hörten die Redaktionsstuben schon die Stiefel. Bei Babler hingegen brauchte es eine Aussendung von FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker, dass auch nur ein einziges (!) Mainstream-Medium über den verbalen Ausrutscher berichtete. Wie im "real existierenden Sozialismus" sind manche eben gleicher. Oder will man noch "Qualitätsmedien"-Förderung von Medienminister Babler abgreifen?

Empörungs-Maschinerie bleibt aus

Hafenecker kritisierte, dass "ausgerechnet der marxistische SPÖ-Chef Babler, dessen Partei bei jeder Gelegenheit die ‚Nazi-Keule‘ gegen politische Mitbewerber schwingt und überall Rechtsextremismus wittert", nun einen problematischen NS-Begriff verwende. Auch er hinterfragte die ausbleibende Entrüstung der anderen Systemparteien, die fehlenden mahnenden Worte des grünen Bundespräsidenten und die nicht stattfindenden "betroffenen Aussendungen voller Krokodilstränen von linken NGOs". Das laute Schweigen des linken Empöriums sei "ohrenbetäubend - aber entlarvend", denn wenn Babler kein Roter wäre, würde die Republik wohl Kopf stehen. 

Damit trifft er einen wunden Punkt, denn negativstmögliche Wortklauberei findet nur gegenüber kritische Stimmen statt. Während Babler sich wohl kaum im nächsten DÖW-Rechtsextremismusbericht wiederfindet, unterstellte man uns ebendort im Vorjahr unironisch "Antisemitismus", weil wir nicht-jüdische Eliten als "Weltenlenker" bezeichneten. Als Indiz reichte schon, dass wir auch die - gerade auch in Israel stark kritisierte - Soros-Dynastie in die Kritik einbezogen. In Österreich wurde zudem ein Arzt für Vergleiche australischer Corona-Quarantänelager mit KZs verurteilt und sogar eine Jüdin (!) wegen Behauptung historischer Parallelen nach einer Demorede verhaftet.

Einseitige Empörung über Liedgut

Österreich ist zudem auch das Land, wo 200 Jahre alte Lieder für eine polit-mediale Staatskrise reichen. Als "Wenn alle untreu werden..." in einer zwischen 1819 und 1900 mehrfach belegten Version bei einem Begräbnis gesangen ward, kannten Mainstream-Medien kein anderes Thema. Man fabulierte etwas von einem "SS-Lied", weil es in der NS-Zeit in einer Umdichtung ebenfalls gesungen wurde. Die parlamentarische Immunität teilnehmender FPÖ-Abgeordneter wurde aufgehoben. Trotz Einstellung des Verfahrens findet sich die Causa im mit Steuergeld finanzierten DÖW-"Rechtsextremismusbericht" und der Anzeigenstatistik für "rechtsextreme Straftaten". Praktisch, wie das läuft... 

Wisst ihr, welches Lied hingegen noch nie medial skandalisiert wurde? Richtig: "Die Internationale", obwohl das 1871 gedichtete Lied eine ähnlich wechselhafte Geschichte hinter sich hat. Unter Stalin, wo Millionen enteignet oder als Regimekritiker gar ins Gulag gesperrt wurden, galt sie zeitweise (bis Ende 1943) als offizielle Sowjet-Nationalhymne. Auch den kambodschanischen Kommunisten, die ein Drittel ihres Volkes ermordeten, diente sie als Parteihymne. Einen semioffiziellen Status hatte das Kampflied auch in Maos China, in dem Millionen in Folge seines "Großen Sprungs nach Vorn" verhungerten. 

Wenigstens bei Doppelmoral konsequent

Bei der SPÖ lässt man sich dieses Lied freilich trotzdem nicht nehmen. Aktuell verbreitet sich in sozialen Medien ein Mitschnitt, den ein Nutzer als Zeitdokument vom gestrigen roten Wiener Landesparteitag wähnt, tatsächlich - anhand des Ambientes und der Sitzordnung - aber vom SPÖ-Bundesparteitag von 2023 stammen dürfte. Man sieht roten Funktionäre die rechte Faust klassenkämpferisch in die Hand recken und das marxistische Kampflied trällern. Eine liebgewonnene Tradition bei den Genossen, die trotz der dunklen Zeiten, in denen es gesungen wurde, noch nie medial skandalisiert wurde. Angesichts der Umfragewerte ist der Aufruf zum "letzten Gefecht" allerdings eh amüsant. 

Bitte nicht falsch verstehen: Es ist völlig legitim, wenn politische Bewegungen ihr Liedgut pflegen und sich von seinem zeitweiligen Missbrauch nicht abbringen lassen. Aber die Doppelmoral stinkt zum Himmel. Immerhin ist sie auch andernorts konsequent: Das kroatische "Za dom (spremni)" ist als "Ustascha-Gruß" per Symbolgesetz verboten, während Regierungsparteien dem von Banderas Mörderbanden verwendeten "Slava Ukrajini" applaudieren. Freilich sind auch da beide Slogans älter als die NS-Kollaboration im 2. Weltkrieg, ehe sich trotz dieses Missbrauchs ab 1990 wiederentdeckt wurden. Aber auch da gilt: Wozu Fakten, wenn auch ideologisch wohlfeile Halbwahrheiten reichen?

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