Die USA als Weltpolizei

Außer Thesen nix gewesen: Der Irankrieg, die neue Lebenslüge der USA

Meinung
Bild: Donald J. Trump,Trump announcing strikes on Iran, February 28 2026, gemeinfrei

Donald Trump erklärt den Krieg gegen den Iran beinahe für beendet. Doch während in Washington von Erfolgen die Rede ist, bleibt unklar, was tatsächlich erreicht wurde. Vieles deutet darauf hin, dass der Konflikt erst begonnen hat.

War es das nun schon mit dem Krieg im Iran? Er sei so gut wie beendet, ließ Donald Trump verlautbaren. Möglicherweise auch, um den Ölpreis endlich in den Griff zu kriegen. Militärische Kapazitäten Teherans seien ebenso zerstört worden wie die Marine. Wichtige Ziele habe man erreicht. Der Präsident schwankt zwischen Angaben über einen „kurzen Ausflug“ und einem Andauern der Eskalation bis hin zu sechs Wochen. Längst nicht entschieden scheint diese Schlacht für den außenstehenden Beobachter. Das Verminen der Straße von Hormuz durch die Mullahs geht weiter, eine „bedingungslose Kapitulation“, wie sie aus Washington gefordert wird, ist nicht absehbar. Man stellte die These auf, es habe eine unmittelbare Gefahr für Israel bestanden, das Atomwaffenprogramm der Feinde sei möglicherweise weiter fortgeschritten, als dies zunächst befürchtet wurde. Wie sehr man im Zweifel das Atem stockende Publikum beschwindeln kann, wissen wir seit der Erzählung über eine potenzielle Massenvernichtung durch den Irak. Die USA machen sich die Welt, bis die Maske des Vorwandes fällt. 

Ein Pulverfass ist angezündet, Chaos überall

Parallel laufen weitere Störfeuer zwischen Jerusalem und dem Libanon. Hier wie da ist nicht damit zu rechnen, dass Systeme kurzfristig kollabieren. Man wolle keine „endlose“ Auseinandersetzung, betonte auch der Verteidigungsminister Amerikas. Möglicherweise kehrt man an den Verhandlungstisch zurück, zumindest gibt es diesbezügliche Andeutungen. Denn unter dem Strich hat sich nur wenig verändert. Statt Chamenei senior sitzt nun der Junior fest im Sattel. Er gilt als größerer Hardliner als sein Vater. Dass die „Islamische Republik“ auseinanderfällt, dafür gibt es im Augenblick keinerlei Anzeichen. Ein Regimewechsel scheint momentan so gut wie ausgeschlossen, eine Übergangsregierung etwas wahrscheinlicher. Inwieweit langfristige Bedrohungen abgeschaltet wurden, darüber lässt sich trefflich streiten. Die Technologie des Landes sei um Jahrzehnte zurückgeworfen, von dem Schlag könne man sich kaum erholen, wird aus Mar-A-Lago berichtet. Doch ist dieser Optimismus tatsächlich begründet, wie effektiv und erfolgreich ist der „Wertewesten“ gewesen?

Chamenei ist tot, es lebt Chamenei: Der Gang vom Hardliner zum Ultra-Hardliner

Neuerlich bahnt sich das klassische Manöver an. Man stiftet Chaos und einen Scherbenhaufen, um sich dann zurückzuziehen, ein Vakuum zu hinterlassen, im schlechtesten Fall wird es schlimmer als vorher. Schon in Afghanistan kehrten die Taliban zurück, in Syrien herrscht nun ein Machthaber, der ähnlich grausam gegen Minderheiten vorgeht wie Assad. In Libyen hat man einen Aufstand angezettelt, bis heute versinkt das Land in Scharmützeln zwischen einzelnen Milizen. Nur selten ging es um jene Gründe, die man der Öffentlichkeit auf dem Silbertablett präsentierte. Schon oft wollte man die Bevölkerung von Tyrannen befreien. In der Ansicht, Freiheit nach demokratischem Vorbild sei ein Exportschlager. Doch nicht überall wird unsere Sicht der Dinge geteilt, manche Völker scheinen Autorität und Potenz der Moderne und dem Fortschritt vorzuziehen. Für Transatlantiker vielleicht nicht verständlich, doch mit welchem Recht stülpen wir Anderen die hiesige Perspektive von Gut und Böse auf? Souveränität zu wahren, das gilt auch bei diametralen Unterschieden.

Ein angeblicher Präventivschlag wie der damalige Einmarsch in Bagdad?

Der Beigeschmack bleibt, dass man nicht präventiv agierte, sondern mit der unverhohlenen Absicht, auf Ressourcen zu schielen, den Weltmarkt durcheinander zu bringen, geopolitisch Einfluss zu nehmen, hegemoniale Ansprüche zu deklinieren. Realitäten wurden ausgesperrt, insbesondere der Blick auf die Kollateralschäden. Mögliche Massenflucht ist die Folge, schon jetzt reihen sich Fahrzeuge vor den Grenzübergängen in Richtung Türkei aneinander. Ein Bürgerkrieg ist längst nicht ausgeschlossen, ein Pulverfass wurde angezündet. Involviert sind mittlerweile diverse Länder rund um den Golf, Raketen gingen auf NATO-Territorium nieder. Ein wirkliches Konzept war kaum zu erkennen, stattdessen preschte man vor, um unbemerkt manchen Vorstoß einzukassieren. Denn man hat sich offenbar überschätzt, schlichtweg verhoben, als es um die Vision ging, in Persien binnen weniger Tage die Ordnung zu verschieben. Territoriale Integrität, sie scheint ein Auslaufmodell. Anmaßung und Selbstüberschätzung, diese Prädikate dürften dem Einsatz stattdessen angehängt werden. Wieder einmal.

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