Die Rechte ist exklusiv

Abgeblitzt bei Casa Pound: Wie ich den Rom-Urlaub mit Trans-Junkies verbrachte

Meinung
Collage: Der Status

Prinzipiell stehen wir beim "Status" ja für seriösen, elitenkritischen Boulevard. Manchmal fühlen wir uns aber auch wie eine umtriebige "Vice von rechts", besonders wenn wir in Abgründen recherchieren, wo sich andere nicht hintrauen. Oft mit erwartetem, nicht selten mit unerhofftem, aber eben leider nicht immer mit umschweifendem Erfolg. Lest hier von unserer gescheiterten Reportage über das rechte Hausprojekt "Casa Pound" in Rom und den skurril-abenteuerlichen Eindrücken unserer Reporterin in der "ewigen Stadt".

Bekenntnisse einer Italien-Anticonnaisseurin

Italien! Rom! Ein bisschen Imperium Romanum-Flair und das moderne Italien Schulter an Schulter beieinander, und natürlich möchte ich meinen Urlaub dazu nutzen, Abenteuer zu erleben und eine nette kleine Reportage zu schreiben.

Das Problem nur: Ich bin kein Italienfan. Tomaten stammen aus Amerika, Wein ist vor Jahrtausenden aus Georgien gekommen, sogar das Wort vino dürfte ursprünglich vom Georgischen ghvino abstammen. Ja, ich schaue mir gerne Kulturschätze an. Ansonsten sind die Museen teuer, an jeder Ecke wird versucht, einem Geld aus der Tasche zu ziehen, Essen oft nicht billig, dann ist die Kurtaxe auch noch übermäßig hoch, vor allem seit Corona. Italien und ich werden uns einfach nicht warm.

Ich habe auch als Teenager in Italien mal ein Bußgeld kassiert, weil ein Polizist mich mal sinnlos genervt hat und ich mit ihm so lange diskutiert habe, bis er seine Autorität nutzte und mir eine Strafe hatte aufbrummen wollen. Diese Strafe habe ich nie bezahlt - wahrscheinlich habe ich unterbewusst das Land deswegen lange gemieden, bis die Sache längst verjährt war. Ich war sehr rebellisch in meiner Jugend, und ich hatte etwas gegen Italien.

Nichtsdestotrotz bin ich ein Fan zweiter und dritter und vierter Chancen, daher versuche ich es immer wieder mit Italien. Für dieses Mal erkor ich dann auch schnell mein Reportage-Opfer: Die legendäre Casa Pound. Ein rechtes besetztes Haus, mittlerweile auch eine Partei. Interessant: Rechte Hausprojekte und -besetzungen gibt es eigentlich nur dort, wo dies von Links praktiziert wird.

Die Sehnsucht nach der Casa Pound

Ich habe es mir ganz genau ausgemalt: Ich stelle mich vor, erkläre wer ich bin und woher ich komme, schaue mir rechte Hippies an und dann diskutieren wir über Gabriele d‘Annunzio (den ich nicht gelesen habe, dessen Gedichte aber an jedem Bukinistenstand verkauft werden).

Ich musste kämpfen. Mein Chef ist nämlich Tiroler und hat daher mit Italienern, die Südtirol als italienisch betrachten, ein Hühnchen zu rupfen. Das ist das Problem der Rechten Europas, alle tragen ein bisschen Revisionismus in sich, der mit dem Revisionismus der anderen nicht kompatibel ist. Siehe auch die Diskussion über patriotische Vernetzungsveranstaltungen in Polen oder zum Sudetendeutschen Tag in Tschechien.

Mein Chef findet aber allerdings auch patriotische Hausprojekte super, deswegen löste sich sein innerer Zwiespalt doch dahingehend auf, mir die Reportage zu erlauben.

Denn: Ich habe "EuropaPowerBrutal" von John Hoewer gelesen und mir schon vorgestellt, auf einer Vespatour durch Rom spannende Untergrundbekanntschaften zu machen, während ich versuche, trotz des Fahrtwinds meinen mit Pistaziencreme gefüllten Cannolo Siciliano ohne zu krümeln zu essen. Und Aperol Spritz mit etwas Limoncello herunterzuspülen, Dolce Vita und so.

Die Realität will aber nicht mitspielen.

Odyssee durch das "echte" Rom

Erst versuche ich es mit einem Gespräch beim Besitzer vom Carre Monti. Der lässt mich abblitzen und sagt, ich sollte eine Email schreiben, fragt aber mehrfach nach, ob ich für eine rechte Zeitung schreiben würde. Mein Erscheinungsbild ist offenbar zu links.

Gesagt, getan.

Keine Antwort.

Ich bin eine Dame, ich bin nicht daran gewöhnt, im Regen stehen gelassen zu werden. Sowas nehme ich persönlich.

Nach drei Tagen des Ignorierens beschließe ich, mir die Casa Pound einmal von außen anzusehen. Was könnte schief gehen?

Um dort hin zu kommen muss man zu Roma Termini, dem Hauptbahnhof, sich dann durch touristische Straßen voller Pizzerien kämpfen, vor denen als römische Legionäre verkleidete Schausteller Gäste anlocken sollen. In den Restaurants selbst arbeiten keine Italiener. Das ist das echte Rom: Die Stadt ist fest in der Hand von Pakistanis, Bangladeshis und Peruanern. Immerhin eine Kontinuität: Schon die antiken Römer fühlten sich oft fremd in der eigenen Stadt. Ein Bangladeshi, der über ein Familienvisum erst vor ein paar Monaten nach Italien gekommen ist, will studieren (alle sind hier immer über Studentenvisa da), will aber weiter nach Deutschland, aber immerhin um dort zu arbeiten.

Zwei Tage zuvor hatte ich auch meinen Personalausweis verloren. Die Polizei konnte meine Anzeige nicht aufnehmen, weil ihre Server kaputt gegangen waren und sagte mir, ich solle es am nächsten Tag versuchen. Onlinemeldungen gibt es nicht. Als ich es dann am Tag darauf versuchte, kam ich mit einer Pakistanerin, sehr hübsch, um die 35, ins Gespräch.

Sie hatte ihre Aufenthaltstitelkarte verloren und erzählte mir von ihrem Liebeskummer (ihr Freund war ins Heimatland zurückgekehrt und hatte dort eine "standesgemäßere" Frau geheiratet). Und beichtete mir, dass sie ihr Leben in Italien hasse. Sie sagte, sie arbeite als Freelancerin. Ich vermute, sie arbeitete als Prostituierte, nicht unwahrscheinlich unter Zwang. Sie hatte etwas sehr Verletzliches und Verängstigtes an sich, ihre Haare waren vom vielen Glätten und Färben kaputt, und allgemein wirkte sie zu modern für eine arme Pakistanerin, aber zu "normal", um zur reichen, liberalen Oberschicht zu gehören. Ich hatte sie umarmt und getröstet, während die Polizei sie zwei Stunden und mich nur zwanzig Minuten vor der Tür hatte warten lassen.

Showdown in der Via Napoleone III

Die Casa Pound in der Via Napoleone unterscheidet sich von linken Hausprojekten vor allem in einem: Es ist sauber und nicht abgeranzt.

Im Erdgeschoss ein grellweiß erleuchteter chinesischer Modeschmuck-, Accessoires- und Dekoladen. Ich fange an zu lachen und schieße ein Foto. 

Es ist sehr offensichtlich: Chinesen werden sich für irgendwelche ideologischen Streitigkeiten nicht interessieren, sind im Allgemeinen angenehme und pünktlich zahlende Mieter, die wirtschaftlich vorankommen wollen und überall, wo sie hinkommen, Unternehmen gründen. Und: Die Antifa würde wohl nicht in einem von Migranten geführten Laden randalieren. Win-win. Wie so oft wird die europäische Rechte von Ausländern gerettet. Wie man auch am hohen Anteil von Mitgliedern und Mitarbeitern mit Mitgrationshintergrund bei der AfD erkennen kann.

Auf einmal geht im ersten Stock ein Fenster auf und ein rundlicher Mann mit Bart spricht mich an.

Ich frage ihn, ob er Englisch könne, kann er nicht. Das ist das Problem mit Nationalisten: Manchmal können sie keine Fremdsprachen.

Ich kann leider auch kein Italienisch. Mit Händen und Füßen und ein paar Brocken versuche ich, ihm zu erklären, dass ich patriotische Journalistin sei, und ihm eine Email geschickt hätte. 

Er sagt, er hätte keine bekommen.

Dann gehen immer mehr Fenster auf, Frauen und Männer schauen auf mich herab. Ich beginne zu schwitzen.

Eine Ritterin weiß, wann sie gescheitert ist

Und dann kommt mir in den Sinn, dass ich ja einfach „rechts“ sagen könnte. Nur: "Rechts und links" heißt "destra e sinistra", aber ich weiß nicht mehr, was davon was ist, nicht auszudenken, wenn ich das Falsche sagen würde. Ich will sinistra sagen, aber etwas hält mich davon ab. Und das erweist sich als Glück im Unglück: Sinistra hätte nämlich links geheißen. Bezeichnend, dass im Italienisch "links“ so sinister ist.

Erwartungsvoll schaue ich nach oben.

"No Email. Bye." sagt der Mann. Ich rolle die Augen und sage auch "Bye", dann gehe ich.

Dabei hat mir einmal ein Bekannter nachgesagt, ich hätte von Natur aus eine lustige Mimik, ungefähr so "wie Giorgia Meloni auf Koks". Ich habe mich nie über die Frage geschert, wie mein Bekannter auf so ein absurdes Sinnbild kommt, aber ich bin eine Frohnatur und musste über die Vorstellung schmunzeln. Ich hätte also mit den Italienern sofort bonden können. Leider wirkt mein Stil offenbar wirklich zu links und somit nicht vertrauenserweckend.

Stundenlang spaziere ich durch Rom, schaue mir in den Souvenirläden des Vatikans die neueste Ausgabe des berühmten Sexy Priester-Kalenders (mittlerweile ergänzt durch Gladiatorenkalender) an, dann gehe ich wieder zurück zu Roma Termini. Abends um halb Elf riecht der Vorplatz nach Zuckerwatte und später dann nach Cannabis. Einbeinige afrikanische Bettler im Rollstuhl weisen einem freundlich auf Eigeninitiative den Weg, wenn man sich verloren umschaut. Transsexuelle Junkies winken höflich. Eigentlich ist alles nett und harmonisch, von der Kriminalität, die am Hauptbahnhof grassiert, bemerke ich nichts.

Neben der Ruine der Diokletiansthermen ist ein Kiosk, der sich Bar nennt und laut Musik spielt. Ein paar Frauen und Männer mittleren Alters tanzen dort zu ABBA, Eurodance-Liedern et al. Ich geselle mich dazu und tanze mit, und als ich errate, dass sie aus Peru sind umarmen sie mich alle, lachen und freuen sich. Andere Leute filmen uns beim Tanzen. Party à la Roma. Nimm das, Casa Pound. Nimm das, Italien.

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