Kinder und Mütter nichts wert: Hebammen werden schlechter gestellt
Symbolbild: Freepik
Ab dem 1. November trifft ein neuer Gebührenkatalog Deutschlands Hebammen wie ein Schlag ins Gesicht: Statt Aufwertung gibt es Kürzungen, statt Anerkennung Abwertung. Ein Beruf, der Leben begleitet, wird erneut bürokratisch entwertet. Und das in Zeiten der Geburtenkrise.
Schlechterstellung ab dem 01.11.2025
Weitgehend unbeachtet von der breiten Öffentlichkeit, stellen sich zum 1. November 2025 für Hebammen in Deutschland massive Verschlechterungen in der Vergütung ein. Seit 2007 regelt ein entsprechendes Vertragswerk zwischen der gesetzlichen Krankenversicherung und dem Berufsverband die Entlohnung für freiberufliche und angestellte Geburtshelfer, seit 2018 war es zu keiner nennenswerten Anpassung mehr gekommen. Nicht zuletzt, weil sich Verhandlungen immer weiter in die Länge gezogen, musste am Ende eine Schiedsstelle entscheiden. Das Ergebnis ist an vielen Stellen ein gesellschaftliches Armutszeugnis. Zwar steigt der Stundensatz für außerklinisch Tätige an. Der Zuschlag für Nacht- und Wochenendarbeit wird allerdings von 20 auf 17 Prozent gesenkt. Bei einer Mehrfachbetreuung fällt der Satz im Falle der zweiten und dritten Frau auf 30 Prozent, für jede weitere wird keine eigene Gebühr mehr berücksichtigt, sodass in der Kumulation bis zu 40 Prozent an Einkommen verlorengeht, obwohl die Ausgaben inflationär wie emotional galoppieren.
Sich Zeit für Gebärende zu nehmen wird durch die neuen Regelungen bestraft
In den Krankenhäusern wird das Gehalt sogar gänzlich reduziert, die eigentlich vorgesehene bürokratische Entlastung beschränkt sich lediglich auf einzelne Aufwände, die in der komplexen Abrechnung vereinfacht werden sollen. Zu spät kommt es nach Ansicht der Betroffenen künftig zu einer notwendigen wie kritischen Evaluierung. Bei der Geburt von Zwillingen gilt nämlich trotz des erhöhten Anspruchs der einfache Regelsatz, was bei zeitintensiven Einsätzen faktisch zu einer relativen Untervergütung führt. Gleichzeitig berichten die entsprechenden Interessenvertreter von steigenden Kosten für Fortbildungen, die sich unter dem Strich oftmals nicht mehr lohnten. Zahlreiche Praxen haben bereits Anpassungen angekündigt, die in der Konsequenz zu einem massiven Rückgang in der flächendeckenden Versorgung führen dürften. Was sind uns also jene wert, deren Dienst schon so oft stiefmütterlich behandelt wurde – beispielsweise als in den 2000er-Jahren rapid steigende Beiträge zur Haftpflichtversicherung zahlreiche Freiberufler strukturell in den Ruinen trieben?
Ein wichtiger Berufsstand, der immer wieder vernachlässigt wird
2002 berichtete die FAZ über "unterbezahlte Lebensretter", weil sie für komplexe Geburten oftmals nur 50 bis 100 Euro erhielten. Pauschalen deckten den Aufwand wie Bereitschaftszeiten nicht adäquat ab, was zu finanziellen Unsicherheiten beitrug. Obwohl der Arbeitsaufwand wiederkehrend kletterte, war auch die Außenwahrnehmung stets von der Auffassung geprägt, hier werde ein "Handwerk" betrieben – nicht aber medizinische Fachexpertise geleistet. "Die unsichtbaren Heldinnen", wie sie "Die Zeit" thematisierte, erfuhren in der Folge zwar eine Aufwertung durch die Akademisierung auf EU-Ebene. Doch die dadurch entstehenden Finanzierungslücken blieben neulicher unkompensiert. Vielerorts – gerade im Osten – schlossen zwischen 2010 und 2020 Kreißsäle, Geburtsstationen standen vor dem Kollaps, wie "Der Spiegel" attestierte. Der ständige Kampf um Leidenschaft und Passion ist immanent. Und das ausgerechnet in einer demografisch äußerst schwierigen Phase der Ernüchterung über die wegbrechende Faszination für Familie und Kinder.
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