Wegen Bildmontagen: Bohrn-Mena will 'RTV' bankrott klagen
Justitia: Freepik; Schott: Screenshot RTV/YouTube (freigestellt); Bohrn-Mena: Sebastian Bohrn-Mena, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 (freigestellt); Komposition: Der Status.
Das sattsam "aus Funk & Fernsehen" bekannte linke Stiftungs- & Netzwerker-Ehepaar Bohrn-Mena strengt eine dreistellige Anzahl an Klagen gegen Gott & die Welt an, oftmals wegen angeblicher "Hasspostings". Bei der Klage gegen den alternativmedialen Sender "RTV" schießt man nun aus vollen Rohren: Als Streitwert wurde die astronomische Summe von 80.000 Euro angesetzt. Stein des Anstoßes sind Bildmontagen im Zuge der laufenden Berichterstattung, durch die sich Sebastian Bohrn-Mena herabgewürdigt fühlt.
Gut im Austeilen, schlecht im Einstecken
Beim Austeilen hielt sich Sebastian Bohrn-Mena selten zurück, geradezu berüchtigt waren seine einstigen wöchentlichen Wortgefechte mit Gerald Grosz auf "oe24.tv". Auch schreckte der zuerst in der SPÖ, dann in der Pilz-Partei politisch sozialisierte Polit-Kommentar nie vor eigenen verbalen Ausritten zurück. Als es um polizeiliche Eskalations-Strategien gegen Corona-Demos ging, witzelte er etwa darüber, dass es ja nicht nur Wasserwerfer, sondern auch Flammenwerfer gebe, die man einsetzen könnte. Seinen Diskussionsgegner wiederum stellte er u.a. einst aus heiterem Himmel in die Nähe von "Callboys in der Steiermark".
Doch beim Einstecken sieht's ganz anders aus. Unvergessen ist die wochenlange Aufregung im Intimstreit mit der nunmehrigen Grünen-EU-Abgeordneten Lena Schilling. In einem Vergleich musste die einstige Weggefährtin des linken Netzwerker-Ehepaares nicht nur Anschuldigungen häuslicher Gewalt fortan unterlassen, sondern durfte auch nicht mehr behaupten, dessen Stiftung agiere "wie die Mafia". Offenbar kam man in der Folge aber auf den Geschmack des Rechtswegs: Im vergangenen Jahr beauftragte Bohrn-Mena nämlich eine Anwaltskanzlei, um systematisch "tausende" Personen auszuforschen, denen man Aktivitäten im Umfeld von "Hasspostings" unterstellte.
"Likes" sind böse, Bildmontagen noch böser
Dabei mussten die Personen nicht einmal selbst verbal ausfällig werden: Ein Bürger sollte etwa 4.700 Euro zahlen, weil er einen abfälligen Kommentar ("Braucht er Geld dieses Weichei? Zum Kotzen der Typ!") lediglich mit einem "Like" markierte, um ein Gerichtsverfahren zu vermeiden. Knapp vor Jahreswechsel waren es zudem laut Medienberichten bereits rund 250 eingebrachte Klagen gegen Gott & die Welt, davon in rund 50 Fällen gegen FPÖ-Funktionäre. Ein Einsehen hatte Bohrn-Mena indes nur in wenigen Fällen, zog allerdings allergütigst zumindest die Klage gegen einen 72-jährigen Fiaker-Fahrer, der nicht einmal Social-Media-Konten besitzt, zurück.
Aus vollen Rohren will er aber gegen die beiden freien Medien "RTV" & "Info-Direkt" schießen. Diese verbreiteten anlässlich der Klagswelle mehrere Bildmontagen, die diese aufs Korn nahmen. Das Argument: Weil Bohrn-Mena zwischen zwei mächtigen Symbolen - einem Laptop & der Justitia-Statue - dargestellt sei, werde "die Herabwürdigung durch die symbolisch aufgeladene Bildkomposition potenziert". Im November erwirkte Bohrn-Mena eine einstweilige Verfügung gegen die beiden Medien, die u.a. Opfer seiner Klagswelle eine Bühne geben wollen. . Zur Freude u.a. von "Falter"-Chefredakteur Florian Klenk, der den Hinweis der Verteidigung auf Pressefreiheit herunterblödelte.
Monster-Klage bedroht RTV-Existenz
Doch das reicht Bohrn-Mena offenbar noch nicht: Denn an der Klage gegen RTV im Streitwert von 80.000 Euro hielt er fest. Am Freitag soll nun die Hauptverhandlung vor dem Landesgericht Krems stattfinden. Im Falle, dass das Gericht im Sinne des Stiftungsgründer urteilt, würden neben Gerichts- und Anwaltskosten auch Schadenersatz dazukommen. Ohnehin belasten die eigenen Anwaltskosten, die mittlerweile in einem hohen fünfstelligen Bereich liegen, die kleine Redaktion bereits existenziell. RTV-Chefredakteur Nicolas Schott zur Sache: "Für uns steht mit dieser Klage wirklich alles auf dem Spiel! [...] Der Betrag ist enorm und könnte unsere Arbeit massiv einschränken."
Schott widersprach den Behauptungen des Klägers: "Dabei wurde er aus unserer Sicht niemals entstellt." Es handle sich bei Bildmontagen um "ein Vorgehen, das in der Medienlandschaft völlig üblich ist." Und zwar auch bei mitunter gewagten Verfremdungen, etwa von Donald Trump mit Hitlergruß oder Jörg Haider mit Hitlerbart. All dies sei niemals ein Problem für die öffentliche Debatte gewesen. Doch nun, wo es einen linken Aktivisten betrifft, werde "aus einer harmlosen Bildmontage eine Krise, eine Katastrophe. Diese Doppelmoral ist offensichtlich und zeigt, wie unterschiedlich Maßstäbe angesetzt werden, je nachdem, wer betroffen ist."
Fixstern der kritischen Gegenöffentlichkeit
Nach Ansicht der RTV-Redaktion wirft der Fall nicht nur Fragen zur Meinungsfreiheit auf, sondern verdeutliche auch die Ungleichbehandlung in der medialen Berichterstattung. Während andere politische Persönlichkeiten und öffentliche Figuren ähnliche Darstellungen über sich ergehen lassen mussten, spräche man bei linkspolitischen Akteuren schnell von "Skandal" und "Verletzung der Persönlichkeit" gesprochen. Und während das Urteil mit Spannung erwartet wird - vor Gericht & auf hoher See ist man bekanntlich in Gottes Hand - könnte sich in wenigen Tagen die Zukunft eines engagierten und bürgernahen Alternativmediums entscheiden.
Dabei darf man nicht vergessen: Bei RTV handelt es sich nicht um ein x-beliebiges Format, sondern um eine Institution in der kritischen Medienlandschaft. Schon zu Beginn, in den 90er-Jahren, gehörte man zu den Rebellen gegen das damalige, europaweit letzte Rundfunk-Monopol. Während der Corona-Zeit war RTV ein Medium, das die schikanöse Corona-Politik schon früh kritisierte und auch den friedlichen Widerstand gegen den staatlichen Stichzwang laufend begleitete. Seitdem ist der kritische Regionalsender, den hunderttausende Bürger in Ober- und Niederösterreich im linearen Fernsehen empfangen können, dem System freilich umso mehr ein Dorn im Auge.
RTV braucht jetzt unsere Solidarität!
Auch aus diesem Grund möchten wir uns solidarisch mit den Kollegen von "RTV" erklären - aber nicht nur deshalb. Es handelt sich bei der Mannschaft von "RTV" nämlich nicht nur um mutige, sondern auch unermüdliche und außerordentlich kollegiale, systemkritische Journalisten. Für meine Wenigkeit unvergesslich ist das Bild bei einer Pressekonferenz in Linz, zu der Nicolas Schott höchstpersönlich mit drei schweren Kameras beladen anreiste. Zwei davon gehörten anderen Alternativmedien, die am besagten Tag keinen Reporter abstellen konnten. Selbstlos und ohne Allüren holte er trotz klammem Zeitplan auch für diese qualitativ hochwertige O-Töne & exklusives Bildmaterial ein.
Denn bei "RTV" denkt man innerhalb der Gegenöffentlichkeit nicht in "Konkurrenz"-Kategorien, sondern sucht den Schulterschluss. Auch deshalb ist die Mannschaft mit allen Mitbewerbern im alternativen Mediensektor in Österreich in gutem Einvernehmen. Völlig egal, ob es sich um ein "größeres" oder "kleineres" Medium im eigenen Sektor handelt und ob der jeweilige Kollege ein "alter Hase" oder Neuling ist: Man sucht die Augenhöhe und das gute Gespräch unter Kollegen, egal wie eilig man's hat. Wir teilen daher auch den anstelle der RTV-Nachrichten am Dienstag präsentierten Spendenaufruf (IBAN: AT85 1500 0002 5114 1669 / PayPal: [email protected]) der Kollegen. Hoid ma zsaum!
Disclaimer: Auch wir haben auf diesem Bild die Konterfeis von Herrn Schott und Herrn Bohrn-Mena neben die Justitia gestellt, die als "mächtiges Symbol" gilt. Angesichts des absurd hohen Streitwerts ist sie das hier auch. Ungeachtet des generellen Statements der Solidarität mit "RTV", die auch auf dem Wege einer bewussten Entscheidung für diese Bildsprache ausgedrückt wird, möchten wir ausdrücklich feststellen, dass der Abbildung von Hrn. Bohrn-Mena keine entstellende Absicht, sondern lediglich jene medialer Dokumentation vorausgeht. Zur Bildkomposition wurde ausschließlich "Adobe Photoshop" verwendet, der Freisteller von Hrn. Bohrn-Mena ist zudem mit Ausnahme der Graustufen-Farbgebung völlig unverändert.
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