ORF-Propaganda-Abend & Co.: Mainstream springt Pannen-'Ömpel' bei
Farben: Freepik; ORF-Zentrum: Thomas Ledl, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 AT; Freisteller: (C) Alois Endl (3); Komposition: Der Status.
Am 3. März jährt sich die Angelobung der glücklosen & unbeliebten "Ömpel"-Dreierkoalition. Für die versammelte Mainstream-Presse also ein Grund, schon über eine Woche im Voraus latent wohlwollende Einordnungen zu deren Bilanz auszupacken. Es riecht in der Republik also nach Hofberichterstattung - und der ORF setzt dem Ganzen die Krone auf. Denn zum Jahrestag schaufelt man das Hauptabendprogramm frei, um im Dreier-Interview mit den Spitzen der Regierungsparteien zu plaudern...
Programmänderung für "Ömpel"-Plausch
Statt wie üblicherweise am Dienstagabend eine Ausgabe des Wissens-Formats "Universum" zu senden, glaubt der ORF, seinem öffentlich-rechtlichen Bildungsauftrag am Besten nachzukommen, indem man sich mit den schwarz-rot-pinken Granden zum abendfüllenden Plausch verabredet. In einer Sonderausgabe von "Im Gespräch" - normalerweise sonntags um 22.10 Uhr auf Sendung - dürfen Kanzler Christian Stocker (ÖVP), Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) & Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) ausgiebig darüber parlieren, was ihnen nicht alles gelungen sei, und was sich für die Bürger angeblich verbessert haben soll.
Es wäre nicht so, als hätten die Chefs der Regierungsparteien sonst keine Chance, ihre Propaganda in den ORF-Nachrichtensendungen unters Volk zu bringen. Sowohl Stocker als auch Babler durften in diesem Jahr bereits in der "ZiB2" und in der "Pressestunde" eine Bilanz über ihr bisheriges Wirken ziehen. Die Stocker-Rede beim Neujahrsempfang seiner Partei sendete der ORF gar im Rahmen einer "ZiB Spezial" - der in allen Umfragen führenden FPÖ erwies man diese Ehre freilich nicht. Aber offenbar brauchen die Systemparteien noch mehr Schützenhilfe, wenn's nicht einmal hilft, dass man die FPÖ seit Jahren in den "ZiB"-Nachrichten bei O-Tönen deutlich benachteiligt.
FPÖ kritisiert "billigste Hofberichterstattung"
Kritik kommt von den Freiheitlichen: "Während die Österreicher unter der Teuerung, der Massenzuwanderung und dem allgemeinen Chaos dieser Regierung ächzen, spendiert der zwangsgebührenfinanzierte ORF den Architekten des Niedergangs eine Bühne zur Selbstbeweihräucherung. Das ist billigste Hofberichterstattung auf Kosten der Gebührenzahler," so FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker in einer Aussendung. Seiner Ansicht nach agiere der ORF "immer mehr als Regierungsfunk und vergisst dabei völlig auf seine Kontrollpflicht". Offenbar wolle sich ORF-Generaldirektor Weißmann bei den Systemparteien für eine Wiederwahl empfehlen, so sein Verdacht.
Es sei ein "Schlag ins Gesicht für jeden Gebührenzahler", wenn man zur besten Sendezeit inszenierte Interviews ausstrahle, statt die Regierung mit drängenden Problemen der Bürger zu konfrontieren. An die Stelle von kritischer Auseinandersetzung mit der explodierenden Kriminalität oder der Zerstörung des Wohlstandes trete"eine Märchenstunde mit den drei Protagonisten des politischen Versagens." Hafenecker fordert ein Endes des "politischen Missbrauchs des ORF". Seine Partei wolle den "Sumpf aus politischer Schlagseite und Günstlingswirtschaft" im ORF trockenlegen, damit dieser ein "echtes Kontrollorgan - im Sinne der Österreicher, nicht im Sinne des Systems" werde.
Jubiläum als Happening im Blätterwald
Doch nicht nur der per Zwangssteuer finanzierte Staatsfunk, sondern auch andere Mainstream-Medien holen bereits vorab zur großen Propaganda-Offensive aus. Das "profil" etwa widmete dem Regierungs-Jubiläum gleich eine ganze Ausgabe. Das Portfolio reicht von handzahmen Interviews mit den Klubobleuten bis zu einschlägigen Kolumnen. In diesen kann man lesen, dass die Regierung ja "besser als ihr Ruf" sei. Oder, dass man sich mit dieser "so genannten Patriotismus, Feigheit und Remigration" erspart habe. Selbst ein auf den ersten Blick semikritisches Stück wandelt sich etwa ab der Mitte zur Schimpftirade gegen die FPÖ, abgedroschene "Nazikeule" inklusive.
Am Montag brachten zudem zahlreiche Medien einen APA-Artikel zur Regierungsbilanz, der gleich nach dem Anriss auflistet, was die Regierung doch alles geleistet habe. Die nahezu wortgleichen Artikel waren u.a. bei News, Vienna.at, der BVZ, der TT, der Kleinen Zeitung, den NÖN oder Salzburg24 zu lesen. Der "Standard" probierte es wenigstens mit einem eigenen Artikel, der auch stellenweise etwas kritischer ausfällt - aber trotzdem im Titel eine Entlastung suggeriert. Auch der "Kurier" bringt einen Eigenartikel, der fällt dafür in weiten Teilen außerordentlich positiv aus. Auch "MeinBezirk" wurde nicht sonderlich kritisch. Gleich eine ganze Serie zum Jubiläum bringt die "Presse" heraus.
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