Ständige Schlagzeilen um Staatsfunk

ORF-Chaos: Bissiger Wolf wittert überall 'rechte Rassisten', Gagenkaiser Strobl beurlaubt

Medien
ORF-Gebäude: Thomas Ledl, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 AT (Auschnitt, gefiltert); Wolf: © JCS, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0; Strobl: Franz Johann Morgenbesser, Wikimedia Commons; CC BY-SA 2.0; Komposition: Der Status.

Aktuell läuft das Prozedere für die Bestellung eines neuen ORF-Generaldirektors, in der Zwischenzeit kommt der Staatsfunk nicht zur Ruhe. Während Beobachter die Hearings für ein Schauspiel halten, weil sie davon ausgehen, dass sich die schwarz-rot-pinke Regierung bereits Ex-APA-Chef Clemens Pig als Kandidaten geeinigt habe, wettert ausgerechnet ZIB2-Anchor Armin Wolf unter der Gürtellinie gegen eine seiner Konkurrentinnen und könnte nun zurückgepfiffen werden. Und nun wird auch der grüne Manager und ORF-Topverdiener Pius Strobl "aus Compliance-Gründen" offenbar den Hut nehmen...

Stolpert Strobl über Compliance-Verstöße?

Das aktuelle Jahr ist ein turbulentes für den per Zwangsabgabe finanzierten Staatsfunk: Das Portfolio der letzten Monate reicht von Intrigen und Belästigungs-Vorwürfen über Mega-Pensionsdeals, rücktrittsreife Stiftungsräte und einen geschassten Generaldirektor und überbezahlte Granden bis hin zu vertuschten Skandalen und sogar Drogen-Gerüchten - Der Status berichtete. Schon länger im Zentrum der Kritik ist dabei der einstige Grünen-Mitgründer Pius Strobl, der ein Jahresgehalt von fast einer halben Million bezieht. Außerdem mehren sich laut Medienberichten die Indizien, dass er beim Rücktritt von Ex-Generaldirektor Roland Weißmann eine Rolle gespielt haben könnte.

Nun folgt ein Paukenschlag: Strobl wurde von Interimsdirektorin Ingrid Thurnher, die offenbar verzweifelt um das letzte Stück Glaubwürdigkeit des ORFs ringt, mit "sofortiger Wirkung" freigestellt. Demnach seien bei der ORF-Compliance-Stelle laut "Krone" zuletzt zahlreiche Hinweise bzw. Meldungen zu einem möglichen Fehlverhalten Strobls eingegangen. Konkrete Beispiele wurden nicht genannt, allerdings munkelt das Boulevardblatt unter Berufung auf Insider-Infos darüber, dass womöglich über dessen Privatfirma während eines ORF-Krankenstandes trotzdem Rechnungen geschrieben wurden. Strobl selbst will keine offiziellen Begründungen vorliegen haben - ein ziemliches Chaos also.

Wolf hetzt wüst gegen "exxpress"-Chefin

Es ist nicht die erste Freistellung aus Compliance-Gründen der letzten Wochen, bereits im April betraf dies ORF-Enterprise-Geschäftsführer Oliver Böhm. Auch der SPÖ-nahe Stiftungsratschef Heinz Lederer steht wegen möglicher Interventionen und Compliance-Verstößen in der Kritik, doch die roten politischen Netzwerke im und jenseits des Küniglbergs halten ihn im Sattel. Kein Thema für eine Freistellung, aber trotzdem im Zentrum einer Kontroverse ist indes ZiB2-Anchor Armin Wolf, mit rund 200.000 Euro Jahresgehalt und üppigen Nebenverdiensten auch ein ORF-Gagenkaiser. Gegen Wolf steht allerdings im Raum, gegen den ORF-Ethikkodex verstoßen zu haben.

Vorausgegangen war in Wolfs Fall ein wüster Ausritt auf "Bluesky" in Richtung von "exxpress"-Herausgeberin Eva Schütz, die als Kandidatin für den Generaldirektor-Posten noch im Rennen ist. Wolf unterstellte der eigentlich aus dem Dunstkreis des im Bund aktuell in den Hintergrund gedrängten, konservativen ÖVP-Flügels stammenden Medienmanagerin, eine "rechte, rassistische Fake-News-Schleuder" zu betreiben. Daraufhin wandte sich Peter Westenthaler - einer von nur zwei Stiftungsräten, welche die FPÖ (von 35) vorschlagen durfte, die Regierungsparteien hingegen stellen dort eine 2/3-Mehrheit - an Thurnher, worauf diese tatsächlich erklärte, das Posting zumindest zu prüfen. 

FPÖ kritisiert "desolaten Zustand" des ORF

Wolf selbst rechtfertigte seine Behauptung mit einem Screenshot von Leser-Kommentaren (!) beim "exxpress". Zudem ist fraglich, ob es Konsequenzen gibt. Denn eine Krähe hackt der anderen bekanntlich kein Auge aus. Und so hat Wolf auch die Rückendeckung von ORF-Redaktionssprecher Dieter Bornemann, zudem seit Jahren dafür bekannt, scharf gegen die FPÖ zu schießen. Er sieht den Wolf-Vorwurf "sachlich begründet durch einen angehängten Screenshot mit rassistischen Kommentaren". In Wahrheit handelt es sich bei den vier derart gebrandmarkten Kommentaren um drei zugespitzte, aber legale Kritiken an der Migrationspolitik und eine sachliche Definition des "Remigrations"-Begriffs.

Kritik an der "Überheblichkeit & Scheinheiligkeit" des ZiB-Anchors äußerte auch FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker, der auch an die jüngste Entlarvung der ORF-Berichte über angeblich vom Staatsschutz beobachtete blaue Mitarbeiter als mediale Ente erinnerte. Insgesamt sei der ORF inzwischen ein "Sündenpfuhl, in dem ein Skandal den nächsten jagt, während die Österreicher gezwungen werden, diesen Apparat mit einer Haushaltsabgabe zu finanzieren. Wolfs Austritt sei dabei nur "ein weiteres Symptom für den desolaten Zustand dieses Senders". Es brauche eine grundlegende Reform, die Entpolitisierung der Gremien und ein Ende der Zwangsfinanzierung.

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