Diesmal kein 'antisemitisches Chiffre'

Doppeldenk im Epstein-Komplex: Plötzlich gibt's 'globale Eliten' doch...

Medien
Hintergrund: Freepik; Bildzitat: Der Spiegel; Epstein: U.S. Virgin Islands, Department of Justice, Wikimedia Commons (public domain); Komposition: Der Status.

Wer die Macht einflussreicher globalistischer Eliten kritisiert, der begeht "strukturellen Antisemitismus" - selbst dann, wenn die kritisierten Weltenlenker von Gates bis Schwab selbst nicht mosaischen Glaubens sind. Dies war seit Jahren das Narrativ des polit-medialen Empörungskomplexes. Vor dem Hintergrund der nicht mehr zu leugnenden Epstein-Akten ist man freilich selbst bestrebt, sich eine "Verschwörung" zwischen einer jüdischen Netzwerk-Spinne unter vermeintlichem Einbezug von Trump, Musk & Co. zu konstruieren.

Epstein-Akten als Sittenbild der Macht?

Die Epstein-Akten bestätigen vor allem eines: Verkommenheit ist keine Frage des politischen Lagers. Neben ekelhaften, teils pädokriminellen Inhalten findet sich dort das Sittenbild einer bis ins Mark korrupten oder zumindest moralisch erpressbaren Elite, sowohl auf konservativer als auch auf linksliberaler Seite. Man ließ sich vom verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein auf dekadente Partys einladen, flog mit dessen "Lolita-Express" und verging sich mitunter an Minderjährigen. Etwas, das freilich bis vor Kurzem als "Verschwörungstheorie" galt, aber nun nicht zu leugnen ist, und das nicht nur, weil "Pizza" über 900-mal in den Akten vorkommt.

Es ist ein Skandal, dessen Ausmaß noch nicht abzuschätzen ist. Es werden u.a. Mitglieder des britischen & norwegischen Königshauses impliziert. In Großbritannien führen die Verstrickungen ins Epstein-Netz mehrerer naher Starmer-Vertrauter zu Rücktritten, auch der Premier ist angezählt. In der Slowakei musste ein Regierungsberater gehen, in Norwegen stolperte eine Botschafterin über die Causa. Im kritischen Lager diskutiert man u.a. auch über Kontakte Epsteins zu Geheimdiensten & Spitzenpolitikern in Israel. Der große Elefant im Raum ist freilich sowieso, wie viele politischen Entscheidungen im Westen getroffen wurden, weil das Epstein-Netz sie mit Kompromat erpressen konnte.

Plötzlich gibt's "globale Eliten" doch...

Im Mainstream versuchte man es zunächst trotzdem einmal auf die übliche Tour. Doch es verfing weder das Russland-Narrativ, noch die plakative Erwähnung von Trump & Musk. Ersterer thematisierte schon vor Jahren seinen Kontaktabbruch zu Epstein, stand aber dennoch wegen plötzlicher Zögerlichkeit beim Aufarbeiten des Komplex in der Kritik. Letzterer machte sich für die Offenlegung der Epstein-Akten stark und ist zwar namentlich erwähnt. Für die Behauptung, dass Musk tatsächlich auf die Epstein-Insel reiste, fehlt allerdings jeder Beleg, der Tesla- & X-Chef will noch rechtzeitig zu Sinnen gelangt sein und Epstein fortan ignoriert haben. Allles Schutzbehauptungen oder Fakt?

Im "Spiegel" sieht man allerdings dennoch eine suggestive Bildmontage, die an diesen Spin anknüpft. Sie zeigt Trump im Vordergrund und den eigenen, einstigen Millionen-Geldgeber Bill Gates dezent und lächelnd im absoluten Hintergrund, obwohl dessen Flug im "Lolita-Express" seit Jahren belegt ist. Zudem soll seine Involvierung in den Epstein-Komplex auch der Hintergrund dafür sein soll, dass dessen Frau Melinda zwar mit ihm weiter die milliardenschwere Gates-Stiftung betreibt, sich aber nach fast drei Jahrzehnten scheiden ließ. Doch wirklich hellhörig macht einen das Wording des Magazins, das die "Innenseiten einer globalen Elite" präsentieren will.

...und ein reicher Jude soll sie kontrollieren

Schon im Artikel-Anriss ist zu lesen: "Die neuen Epstein-Akten schärfen das Bild eines Mannes, der die globalen Eliten miteinander vernetzte. Sein System basierte auf dem Handel mit Sex, Macht und Geld. Die Reichen und Mächtigen hofierten ihn trotz seiner Taten." Man bezeichnet Epstein darin als "schwerreichen Finanzhändler", suggiert mit einem "Blick durchs Schlüsselloch" ins Hinterzimmer des "globalen Machtklubs" Die Rede ist von "Menschen, für die eigene regeln gelten, weil sie so viel reicher, klüger, informierter" seien. Es geht um einen "Zugang zu einer Machtelite, die sich über die ganze Welt verteilte". 

Salopp gesagt präsentiert man seinen Lesern also einen reichen, einflussreichen Juden als Drahtzieher moralischer Verlotterung, als Puppenspieler der "globalen Eliten". Zumindest, wenn man bisherige "Spiegel"-Logik bedient. Unlängst unterstellte das Magazin jedoch noch unter Rückgriff auf den Verfassungsschutz der AfD, sich "antisemitischer Andeutungen, Codes und Chiffres" zu bedienen. Erklärt wurde dies so: "Statt um 'Juden' geht es dann um den aus einer jüdischen Familie stammenden US-Milliardär und Philanthropen George Soros oder angebliche 'globale Eliten'". Detail am Rande: Soros ist wegen seiner Einmischung in staatliche Angelegenheiten auch in Israel in der Kritik... 

Eliten-Kritik: Auch bei uns "antisemitisch"

Auch Stellen wie die "Amadeu-Antonio-Stiftung" postulieren offen einen "strukturellen Antisemitismus", der sich auch in Kritik an der Macht nicht-jüdischer Eliten äußern kann. Das "Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands" (DÖW) unterstellte auch dem Status in zwei tendenziösen "Rechtsextremismus-Berichten", einen solchen angeblichen, strukturellen Antisemitismus zu pflegen. Etwa, weil wir nicht-jüdische Eliten als "Weltenlenker" bezeichneten, die "mauscheln".  Im jüngsten Pamphlet schwang man diese Keule gar, weil wir über jüdische Missbrauchsopfer berichteten, die ihre Vorwürfe gegenüber einer orthodoxen Sekte mit besten Polit-Connections erhoben.

Freilich eine Logik, nach der wegen ihres mosaischen Glaubens auch jede Kritik an den widerlichen Taten von Epstein und seiner Gespielen Ghislaine Maxwell "böse" sein müsste. Was zunächst lediglich wie skurriles Doppeldenk klingt, kann auch ein scharfes Schwert sein: Als Ex-SPD-Innenministerin Faeser das "Compact"-Magazin verbieten wollte, wurde dies medial mit "strukturellem Antisemitismus" gerechtfertigt. Aber wie heißt's so schön: Nur weil zwei das Gleiche tun, ist's noch lange nicht dasselbe. Man darf jedenfalls davon ausgehen, dass - anders als bei "Compact" - beim "Spiegel" keine Polizisten frühmorgens alle Schreibtische und Computer einkassieren werden. 

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