Jahrelange Agitation

Aufgedeckt: Journalist hetzt anonym im Netz & teilt irre Gewaltfantasien

Medien
Hintergrund: zVg/via X; Screenshots (3): X; Komposition: Der Status.

"Stadtfeste, Karneval, Politik, Kultur, Sport, kleine und große Skandale": Das waren die publizistischen Wurzeln von Dorian Audersch, der seit Jahren für die "Rheinische Post" schreibt. Nun droht ihm aber, selbst Teil eines großen Skandals zu werden. Denn das patriotische "RedaktionsNetzwerkRechts" will aufgedeckt haben, dass der Journalist hinter einem üblen X-Hetzaccount steckt, der massiv gegen Andersdenkende wettert, Kollegen von kritischen Alternativmedien unter der Gürtellinie beflegelt und Gewalt gegen das breite Spektrum an Personen, die er für "Faschisten" hält, zumindest billigend in Kauf nimmt.

Sportjournalist als linksradikaler Online-Hetzer

Zwei rechte Bürgerjournalisten - "JournoZiege" sowie Patrick Kolek ("Wuppi") veröffentlichten am Montagabend heikle Informationen, welche ein schockierendes Doppelleben des Journalisten, der in jüngerer Vergangenheit als vermeintlich harmloser Sportreporter publizierte, nahelegen. Den Beleg, dass es sich beim Account mit dem selbstironischen Pseudonym "Wokest Boy Alive" um Audersch handeln soll, erkennen sie darin, dass dieser sich auf X mit einer E-Mail-Adresse registriert habe, welche dessen Klarnamen beinhalte.

Bereits die bislang veröffentlichen Sager des Kontos gereichen zur Frage, ob diese mit dem journalistischen Ethos und guten Ruf traditionsreicher Lokalzeitungen vereinbar sind. Mal wird NiUS-Chefredakteur Julian Reichelt als "Koksian" beflegelt, ein andermal spöttelt der "Wokest Boy" über die aktuelle Häufung von toten AfD-Politikern oder startet im selben Zeitraum eine Umfrage, ob man es "fantastisch finden darf, wenn Faschisten sterben". Oder er fordert die Abschiebung von Ostdeutschen, die eine andere Meinung haben. Wir erinnern uns: Wer in rechten Kreisen über die Abschiebung von Illegalen oder die Ausbürgerung integrationsunwilliger Doppelstaatler fordert, ist ganz böse...

Jubel über Buttersäure-Anschlag auf AfD

Doch, was bislang an die Öffentlichkeit geriet, ist nur die absolute Spitze des Eisbergs, denn der "Wokest Boy Alive" liefert seit Jahren fragwürdige Aussagen am laufenden Band. Dazu gehört etwa die Billigung linksextremer Straftaten. Nach einem Angriff auf eine AfD-Veranstaltung schrieb er: "Buttersäure gegen Faschisten und Neonazis? Fair enough." Im Bezug auf angebliche Krankheitssymptome von US-Präsident Donald Trump sinnierte er kürzlich: "Nichts, was ein paar Liter Rohmilch, ein bisschen Chlorbleiche und ausgiebiges Arschlochsonnen nicht heilen könnte." 


Damit das niemand falsch versteht: Wenn er gegen "Nazis" und "Faschisten" wettert, dann meint er damit generell jeden, der auch nur einen Millimeter rechts der politischen Mitte steht. Da wird dann sogar einmal "Welt"-Kolumnist Don Alphonso zum "mäßig begabten Clown für verkappte Nazis". Als Stefan Weber über Unregelmäßigkeiten rund um die akademischen Arbeiten von Frauke Brosius-Gersdorf berichtete, wurde sogar der renommierte Plagiatsgutachter für ihn zum "erbärmlichen Würstchen in der rechtsidiotischen Twitter-Hemisphäre". Ein andermal stellte er ein Gedankenexperiment an, an dessen Ende dann 10 Mio. AfD-Wähler doch irgendwie alle "Neonazis" wären...

...die in seiner Welt am besten "endlich wieder Angst haben sollen in diesem Land":


Imaginierte "Nazis" keulen & wegbomben?

Weitere Beispiele gefällig? Als sich ein Nutzer über die immer engeren Meinungskorridore beschwert, antwortet unser Kandidat: "Früher wurden Nazis kompromisslos zerbombt, heute heulen sie im Netz wegen 'Repressionen'." Oder in Reaktion auf einen Böhmermann-Skandalsager: "Nazis keulen - nicht nur damals richtig und wichtig für Deutschland". Im üblichen Sprachgebrauch versteht man unter "keulen" die massenhafte Tötung kranker Nutztiere - und eben nicht wie von "Böhmi" behauptet, die reflexive Version des Wortes zur Beschreibung männlicher Selbstbefriedigung.


Besonders verbal ausfällig wird unser "Wokest Boy" aber eben immer, wenn Kollegen von "NiUS" - nicht nur Reichelt - sich in sozialen Medien äußern. Einen anderen Journalisten des konservativen Mediums bezeichnete er als "ebenso dämlichen wie passionierten Roterteppichausroller für Nazis", der für die "rechteste Siffklitsche des deutschen Gossenaktivismus in Sinne der AfD arbeitet". Detail am Rande: Die Geldgeber hinter "NiUS" stammen eigentlich aus dem rechtskonservativen Unionsflügel und bei AfD-Vertretern freundet man sich eher mit deren liberalkonservativen Ausläufern an. Aber wenn alle Nazis sind außer Mutti, wer achtet da schon auf Genauigkeit...?


Auf Facebook: Hetze auch mit Klarnamen

Unter dem Deckmantel der vermeintlichen Anonymität hetzt also mutmaßlich Audersch unter der Gürtellinie gegen kritische Stimmen. Skurrilerweise begründete er diese Vorgehensweise sogar einst damit, dass er "nicht in irgendeiner abgehobenen Journalistenblase, sondern in der Realität" lebe. Und in der würden angeblich "auch mal Neonazis vor der Haustüre stehen, wenn man [...] sich mit Klarmanmen sehr deutlich gegen Rechtsextreme positioniert". Das klingt wie eine Schutzbehauptung, ist es auch: Auf Facebook tritt Audersch mit Klarnamen und Profilbild auf, komplett samt Corona-Maske, auf der "Anti-Social-Social-Club" steht. 

Dort wurden über die Jahre mehrere Kommentare, die dem Status in einem Faksimile vorliegen, unter anderen Medienportalen ruchbar, insbesondere im "Spiegel"-Kommentariat fühlte sich Audersch wohl. Zwar hetzte er dort ohne Schutz eines allfälligen Pseudonyms nicht ganz so unverschämt wie der "Wokest Boy", aber einige Aussagen lassen äußerst tief blicken. So meinte er einst etwa über coronakritische Menschen: "Nach hunderten Diskussionsversuchen mit Quarkdenkern stimme ich zu - einfach wegblocken das Gekröse." Oder er echauffierte sich über "grotesken Unsinn aus dem Enddarm der Verschwörungsbranche."  


Lob für Baerbock & die Grünen

Auf Facebook machte Audersch auch keinen Hehl daraus, wo seine eigenen politischen Sympathien liegen: Nämlichbei den Grünen. So ätzte er gegenüber einem anderen Nutzer: "Leute wie Sie sind der beste Grund, Annalena Baerbock zu wählen." Im Laufe der Diskussion elaborierte er: Die Grünen in der Regierung seien "hervorragend für dieses Land, das von Lobbyparteien wie der FDP oder den Korruptionsweltmeistern der CDU oder den Agendaverbrechern der SPD jetzt lange genug zerwaltet wurde." Zwischendurch belehrte er auch einmal Diskussionsgegner, weil diese die alte Rechtschreibung verwendeten... 

Und auch vor absurden historischen Vergleichen machte Audersch dort nicht halt. Etwa zum Höhepunkt der Migrationskrise. Als ein Nutzer erklärte, sein Opa sei "kein Mensch, der Kinder von Booten geworfen hat, um seinen Hintern zu retten", wandte der Journalist ein: "Nee, der hat dann vielleicht eher Juden über die Rampe getrieben oder Großstädte zerbombt". Mehr muss man über die Gedankenwelt des grünen Sportjournalisten nicht wissen. Außer vielleicht, dass er nach einem Hetzartikel eines berüchtigten linken Journalistenkollegen gegen Coronakritiker schrieb: "Wie so oft kann man als klar denkender, gebildeter Mensch Sascha Lobo nur zustimmen". 

Wie wird das Medium reagieren?

Vor diesem Sammelsurium an einschlägigen Aussagen stellt sich die Frage: Weiß die "Rheinische Post" als zweitgrößte regionale Tageszeitung überhaupt von den illustren Online-Tätigkeiten ihres jahrelangen Stammautors? Schließlich kann man nie in einem Menschen hineinschauen - und prinzipiell ist es ja ein lobenswertes Zeichen, wenn Chefredakteure ihren Journalisten nicht bis in den letzten Winkel ihres Privatlebens hinterher schnüffeln. Allerdings kann dies einem Medium halt auch auf den Kopf fallen.

Wir haben in diesem Zusammenhang kurz vor der Publikation dieses Artikels eine Anfrage an den Chefredakteur des Blattes sowie an Audersch selbst geschickt, deren Beantwortung wir gespannt harren. Egal, ob es zu Konsequenzen für Audersch kommt oder nicht: Wir bleiben am Ball. Deshalb werden im Sinne der journalistischen Sorgfalt, Ausgewogenheit und Fairness über eine allfällige Reaktion der an sich renommierten Zeitung und des betroffenen Journalisten auf die Enthüllungen selbstverständlich berichten. 

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