Alibi-Geständnis von Tagesschau-Vize: Bei Corona zu lange im Krisen-Modus
Politik und Mainstreammedien würden das Thema Corona am liebsten abschließen. Schwamm drüber und vergessen. Denn vor allem die Medien haben sich während dieser Zeit alles andere als mit Ruhm bekleckert. Nun räumt auch Tagesschau-Vizechef Helge Fuhst kleinere Fehler während der Corona-Zeit ein. Allerdings bleiben die heißen Eisen unerwähnt. Und der ÖRR scheint in Bezug auf seine Berichterstattung nichts gelernt zu haben.
Ein Treffen unter Freunden, so könnte man den Bericht des SPD-nahen Redaktionsnetzwerks Deutschland über ein Gespräch mit dem Vizechef der Tagesschau Helge Fuhst beschreiben. Und so trifft man sich in einem Hamburger Restaurant bei einem guten Essen und plaudert über die Zunft. Zunächst wird Fuhst kurz vorgestellt - 41 Jahre als, seit sechs Jahren Zweiter Chefredakteur von "ARD Aktuell" und damit Vizechef von "Tagesschau" & "Tagesthemen" beim NDR, Hamburger Medienjungadel, der schon immer Journalist werden wollte. Und dann werden doch einige heißere Eisen angefasst, wenn auch zögerlich und ohne in die Tiefe zu gehen. Selbstkritik ohne wirklich Kritik, könnte man sagen.
Berichterstattung zu lange im Krisenmodus
So erklärt Fuhst, dass man "als Medien auch nicht alles richtig gemacht" habe, "zum Beispiel während der Corona-Pandemie". Nachgefragt, welche Fehler dies bei Tagesschau und Tagesthemen gewesen seien, erläutert er: "Zu Beginn der Pandemie wusste niemand, was passiert. Politik, Gesellschaft, Medien – niemand. Auch wir nicht. Wir sind dann aber in Deutschland länger als nötig in diesem Krisenmodus geblieben, auch in unserer Berichterstattung. Das würde ich persönlich im Nachhinein anders machen: schneller den Alltag wieder zulassen."
Und auch wieso man so lange in Alarmstimmung verblieben sei, dafür hat Fuhst gleich eine Erklärung parat und betont zugleich, man habe keine Stellung bezogen sondern die vermeintliche Mehrheit abgebildet: "Ich glaube, die Mehrheit der Bevölkerung empfand so. Wir haben nicht gegen die Mehrheitsmeinung gesendet. Vielleicht sind wir ein eher ängstliches, vorsichtiges Volk."
Sprachrohr der Regierung
Kein Thema ist dabei, dass die Medien und vor allem auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk als Sprachrohr oder vielmehr Presseorgan der Regierung agierten. Kritisches Hinterfragen oder Analyse des Regierungsnarrativs gab es nicht und gibt es heute noch nicht. So wurden Kritiker der Maßnahmen und der Corona-Politik verschwiegen oder diffamiert. Und auch heute besteht an Aufklärung kein Interesse.
Ob RKI-Files, Spahns Masken-Deals, Impfstoffbeschaffung, freiklagen von Unterlagen, berichtet wird zögerlich, recherchert und aufgedeckt gar nicht. Meist sind es alternative Medien, die ohne Milliardenbudget im Hintergrund aufdecken und den Regierenden auf die Finger schauen.
Klare Kurswechsel oder Stellungsnahmen sind vom ÖRR also nicht zu erwarten, auch wenn Fuhst natürlich nicht die Politik der Sender bestimmen kann. Deutlicher war da die dänische Zeitung "Ekstra Bladet", die sich unter der Überschrift "Wir haben versagt" 2022 bei ihren Lesern entschuldigte, die Aussagen der Regierung kritiklos übernommen und Zahlen nicht hinterfragt zu haben.
Alarmismus beim Klima
Auch, dass die Berichterstattung einseitig sein könnte und Medien zudem immer über schlechte News berichten, wehrt Fuhst ab: "Medien sind sehr häufig Überbringer schlechter Nachrichten. Das wird oft missverstanden. Viele Zuschauer glauben, wir hätten ein Interesse daran, etwas schlechtzureden. Dabei sind wir einfach verpflichtet, Debatten und Positionen abzubilden. Wir machen sie uns nicht zu eigen."
Zu eigen hat man sich aber scheinbar den Alarmismus gemacht, den der Krisenmodus hat beim ÖRR nur von Corona zum Klima gewechselt, dabei ist es egal ob ORF oder deutscher ÖRR. Panikmache mit Hitze und Wetterbericht, tiefroten Wetterkarten oder Fake-News mit Niedrigwasser in Flüssen, wie dem Rhein, gehören zum Geschäft mit der Klimapanik.
Alle Meinungen abbilden
Interessant wird es allerdings, wenn Fuhst gegenüber dem RND angeblich Vielfalt im ÖRR einfordert, "weg vom urban-akademischen Grundton, hin zu einem bodenständigeren, auch ländlicheren Fokus": "Wir müssen so divers wie möglich sein, ich selbst stehe dafür. Aber gleichzeitig müssen wir die Gesellschaft mitnehmen. Wir dürfen keine exklusive Nachrichtensendung für ,die Elite‘ oder die Entscheider in Berlin-Mitte sein."
Dies wäre dann wohl eine ziemliche Kehrtwende, weg vom bisherigen, den links-grünen Mehrheiten der Redaktionen geschuldeten, belehrenden Haltungsjournalismus, hin zu objektiven und neutralen Nachrichten. Auch wenn es schon interne Kritik von Staatsfunkmitarbeitern, etwa in einem Manifest an der Einseitigkeit der Berichterstattung gab. Schöne Worte, die wohl, trotz Bemühen eines Einzelnen, nicht umgesetzt werden.
Dies zeigt auch schon die Auswahl der Themen, etwa Hitzepanik und Klima, statt Messerattacken oder Schwimmbadübergriffe - die ja nur "regionale" Bedeutung haben. Oder aber auch die Fehler bei Balkendiagrammen in der Wahlberichterstattung. Und dies wird sich eben so schnell nicht ändern. Zumal ein derartig aufgeblähter Apparat wie der ÖRR auch nicht so einfach den Kurs wechseln kann. Um aber guten Willen zu zeigen, wären vielleicht "neutrale" Wetterkarten mal ein kleiner Anfang, wenn es schon nicht für eine richtige Entschuldigung wegen der Corona-Panikmache als Regierungssprachrohr reicht...
+++ Folgt uns auf Telegram: t.me/DerStatus & auf Twitter/X: @derStatus_at +++
Dir gefällt unsere Arbeit? Unterstütze uns jetzt mit deiner Spende, damit wir weiterhin berichten können!
Kontoinhaber: JJMB Media GmbH
IBAN: AT03 1500 0043 9102 6418
BIC: OBKLAT2L
Verwendungszweck: Spende