Skandalsager im ORF: Austropopperin witzelt über Lust, Trump zu töten
Die steirische Liedermacherin Stefanie Werger gilt als Legende des Austropop und nahm sich noch nie ein Blatt vor den Mund. In ihrem jüngsten ORF-Interview am Freitag hinterließ dieser Umstand einen ambivalenten Nachgeschmack: Der Seher konnte mitnehmen, dass sie zwar keine Freundin der Genderei ist - dafür aber die Vorstellung, den US-Präsidenten Donald Trump zu ermorden, für ein amüsantes Gedankenspiel hält. Nach den Geschehnissen nur Stunden später wirft die Sequenz vor allem Fragen bezüglich der ausbleibenden Reaktion von ORF-Moderator Patrick Budgen auf diesen Sager auf.
Zuerst Breitseite gegen Genderei...
Eigentlich wollte sie ihr Mikro ja schon vor 4 Jahren an den Nagel hängen, nun bringt Stefanie Werger mit "So schene Leit" doch wieder ein neues Lied auf den Markt. Und somit ist das inzwischen 74-jährige weststeirische Vollweib, das in den 80ern mehrere Chart-Erfolge hatte, wieder gefragter Gesprächspartner bei den Medien. So auch am Freitagnachmittag, als sie sich bei "Hinter den Schlagzeilen", der Sendung von ORF-Moderator Patrick Budgen einfand.
Über weite Strecken verläuft das Gespräch sympathisch. Werger erzählt Schwänke aus ihrem Leben und zeigt sich durchaus auch von einer Seite, die kritisch mit dem Zeitgeist ins Gericht geht. Sie würde sich "auf keinen Fall" als Feministin sehen, und sei "total gegen das Gendern, auch wenn mich jetzt manche nicht mehr lieben werden". Später sagt sie auch noch, sie sei einst herumgereist "wie eine Zigeunerin" - um dann gegen die politische Korrektheit zu sticheln, weil man das ja nicht mehr sagen dürfe.
...dann Mordfantasien gegen Trump
Wer an diesem Zeitpunkt zu rund zwei Dritteln des Gesprächs ausgeschaltet hätte, wäre wohl positiv überrascht gewesen. Dort eine aufmüpfige Sängerin aus der Provinz, die schon mal mangels Erben ihr Anwesen an Bürger verlost oder dem Grazer Ex-ÖVP-Bürgermeister einen gepfefferten Brief wegen der "Bauwut" in der Stadt schickt - und nun dem Zeitgeist einschenkt. Und dort ein ORF-Moderator, der diese Aussagen geschehen lässt, ohne sich "einordnend" oder distanzierend einmischen zu müssen. Doch nach einer durchaus erfrischenden halben Stunde fällt die Fassade doch noch wie ein Kartenhaus zusammen.
Denn da lädt Budgen sie zu einer Art Wordrap in Form eines Fragebogens ein. Und die zweite Frage hat es in sich: "Wenn ich einmal ins Gefängnis gehe, dann weil...?" Und Werger antwortet postwendend: "Weil ich einen ermordet habe, aus Lust. Zum Beispiel den Trump". An dieser Stelle lacht sie laut, weil das ja ein unrealistisches Ziel wäre: "Aber das geht sich nicht aus." Auch hier reagiert Budgen nicht, sondern geht einfach zur nächsten Frage über, als wäre es das normalste der Welt, in Kultur-Interviews über die Ermordung fremder Staatsschefs zu witzeln.
Drittes Attentat nur Stunden danach
Im Nachhinein bekommt diese Passage natürlich einen umso fahleren Beigeschmack. Denn nicht einmal 24 Stunden nach der Erstausstrahlung der Sendung versuchte tatsächlich ein Attentäter, ein US-Pressegaladinner zu stürmen, an dem Trump als Ehrengast u.a. an der Seite seiner Gattin, seines Vizepräsidentin und seiner Pressesprecherin teilnahm. Der Schütze konnte noch, bevor er den Veranstaltungssaal stürmen konnte, von Sicherheitskräften übermannt werden. Ein politisches Motiv für den Attentatsversuch gilt inzwischen als wahrscheinlich.
Für Kopfschütteln in sozialen Medien sorgte indes die Behandlung im Staatsfunk: Während der ORF ohne kritische Distanz aus dem Manifest des Täters zitierte, als handle es sich bei seinen harten Vorwürfen gegen Trump um Fakten, schoss einmal mehr ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen den Vogel ab. Er ließ nämlich durchklingen, dass er die Sichtweise vertritt, dass Trump selbst für das politisch aufgeheizte Klima verantwortlich sei, das zum mittlerweile dritten Attentatsversuch auf seine Person führt - Der Status berichtete. Ähnlich hatte bereits der "Spiegel" seinerzeit das Schussattentat auf Slowaken-Premier Robert Fico, das dieser nur knapp überlebte, verharmlost.
Linke Mordfantasien als "Kunst"
Detail am Rande: Immer wieder sorgen als Satire oder unter dem Aspekt der Kunstfreiheit vermarktete Gewaltfantasien gegen nicht-linke Akteure für Aufregung. Da droht der Frontman der "Antilopen-Gang" schon einmal einem rechten Verleger mit Pfeil & Bogen. Die Rap-Combo "K.I.Z." veröffentlichte einst ein Musikvideo, in dem der Protagonist mit Wurfsternen, Äxten, Pistolen & Schwert in einen Raum eindringt, wo drei Personen sitzen, die leitenden AfD-Politikern ähnlich sehen. Die Band "Egotronic" ließ in einem Video eine Attentäterin mit einem Zielfernrohr auf eine Party mit alternativen Medienmachern, AfD-Politikern & anderen Personen des patriotischen Vorfelds zielen.
Auch Trump selbst war selbstredend bereits im Visier solcher Entgleisungen: Während seiner 1. Amtszeit sorgte US-Comedian Kathy Griffin für einen riesigen Eklat, als sie sich mit der Nachbildung des abgetrennten Kopfes von Donald Trump ablichten ließ. Das war in der Folge sogar CNN zu starker Tobak, der Sender kündigte einen Vertrag mit ihr. Auch die Karriere von Sebastian "El Hotzo" Hotz, der u.a. für Böhmermanns Show im ZDF arbeitete, erfuhr einen Knick, als er die Schüsse beim 1. Attentat auf Trump mit dem Versäumen eines Busses verglich ("Leider knapp verpasst."). Er fände es zudem "absolut fantastisch, wenn Faschisten sterben." Gerichtlich blieb die Aussage allerdings straffrei.
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