Geld für alle, nur nicht für Deutsche

Das Goethe-Institut: Ein Goldesel, der Soft Power spielen will

Das Goethe-Institut rühmt sich als Motor des Kulturaustauschs. Doch immer öfter fließen deutsche Steuergelder in Programme, von denen alle profitieren, nur deutsche Kulturschaffende nicht. Warum finanzieren wir Projekte, die mit Deutschland nichts zu tun haben?

Eine leicht gekürzte Fassung dieses Artikels erschien in Tichys Einblick 09/2025

Kultureller Austausch, aber zu welchem Preis?

Das Goethe-Institut repräsentiert deutsche Kultur im Ausland durch Sprachkurse, Kunstförderung und internationale Programme. Es unterstützt deutsche Künstler, Autoren, Musiker bei der Präsentation ihrer Arbeiten im Ausland und bietet Residenzprogramme für ausländische Kulturschaffende in Deutschland an. Ausländische Institutionen können finanzielle Förderung erhalten, wenn sie deutsche Künstler einladen. Für Kollaborationen zwischen deutschen und ausländischen Künstlern und Institutionen gibt es darüber hinaus auch den Internationalen Koproduktionsfonds IKF. Ausländer mit dem Lebensmittelpunkt Deutschland können von den Programmen des Goethe-Instituts profitieren: Kultur ist bereichernd, Künstlerbiografien selten geradlinig. Es ist vernünftig, Augenmaß walten zu lassen, in der Kulturbranche ist internationaler Austausch von essenzieller Bedeutung. 

Das Institut verfügt über einen Etat von ca. 300 Millionen Euro pro Jahr. Davon wird die Hälfte über Deutschkurse und -prüfungen erwirtschaftet, die andere Hälfte wird vom Auswärtigen Amt gestellt, also durch den Steuerzahler finanziert.

Deutsches Geld erwünscht, deutsche Künstler unerwünscht

Allerdings werden zahlreiche Programme organisiert, die nichts mit Deutschland zu tun haben und für die sich deutsche Künstler nicht einmal bewerben können. Ein Beispiel ist die Residenz “Datas”, die sich ausschließlich an Künstler aus Zentral- und Osteuropa sowie der südkaukasischen Region richtet und ihnen ermöglicht, zwei bis drei Monate in Ljubljana, Tallinn oder Prag an einem Projekt zu Kunst und Technologie zu arbeiten. Unter "Zentraleuropa" werden die Tschechische Republik, Ungarn und die Slowakei verstanden. Nicht aber Deutschland.

Folgende Staatsangehörigkeiten sind erlaubt: Albanien, Armenien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Kroatien, Tschechische Republik, Estland, Georgien, Ungarn, Kosovo, Lettland, Litauen, Montenegro, Nordmazedonien, Polen, Rumänien, Serbien, Slowakei, Slowenien, Ukraine. Inwiefern benötigen alle genannten Länder Unterstützung aus den Taschen der deutschen Steuerzahler und warum war man unfähig, die Ausschreibung auch für Deutsche zu öffnen?

Ein anderes Beispiel ist das CISA-Professionalisierungsprogramm für Kuratoren aus Südasien, welches in den Khoj Studios in Neu Delhi, Indien durchgeführt wird. Im Ankündigungstext heißt es: “Die CISA-Residency bietet fünf Kuratoren aus Indien, Pakistan, Bangladesch, Nepal, Sri Lanka, den Malediven, Bhutan, Afghanistan oder dem Iran die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen und Netzwerke mit Kulturschaffenden, Forschern und Akademikern aus Indien, Südasien und darüber hinaus aufzubauen.”

Die Schweiz gibt nur Geld, wenn Schweizer eingebunden werden

Eine Art kultureller Entwicklungshilfe? Man erinnere sich aber: Indien hat ein Weltraumprogramm und 2023 erfolgreich einen Rover auf dem Mond gelandet, scheint also dazu fähig zu sein, sich um die eigenen Finanzen zu kümmern. Interessant hierbei der Ansatz der Schweizerischen Kulturstiftung Pro Helvetia, die ebenfalls mit den Khoj Studios kooperiert. Die Statuten der Stiftung schreiben jedoch einen zwingenden Schweizbezug vor, also wurden Schweizer Kulturschaffende eingebunden. Setzen die Schweizer also eher auf Partnerschaft als auf Goldeseltum?

Oder die Residenz “Invisible Dance: The Body in Friction” 2023 für professionelle Tänzer aus marginalisierten Gemeinschaften in süd- und südostasiatischen Ländern, die mit der Förderung des Goethe-Instituts nach Indien kommen konnten: Auch hier gab es keinerlei Verbindung zu oder Austausch mit Deutschland - vom unilateralen Geldfluss einmal abgesehen. Gleichzeitig mussten seit 2023 Goethe-Institute aufgrund von Etatkürzungen schließen und Kulturveranstaltungen reduziert werden. Welchen Nutzen zieht Deutschland also aus Programmen ohne Einbindung deutscher Kulturschaffender?

Externe Geldgeber wie das Goethe-Institut spielen in vielen Staaten ohne etablierte Förderstrukturen eine wichtige Rolle bei der Realisierung von Kulturprojekten. Wenn hierbei auch deutsche Künstler ihre Arbeit präsentieren können stellt dies eine fruchtbringende Partnerschaft dar. Es übernimmt Aufgaben eines Fördermittelgebers – dem eigenen Selbstverständnis nach nicht aus nationalem Interesse, sondern aus einem universalistischen Kulturverständnis heraus. Wie der Generalsekretär Johannes Ebert 2020 schrieb: "Stand in den 1950er und 1960er Jahren insbesondere die Präsentation des kulturellen Lebens der jungen demokratischen Bundesrepublik im Ausland im Mittelpunkt – auch mit dem Ziel, nach einem schrecklichen Krieg und dem Holocaust wieder in die internationale Gemeinschaft aufgenommen zu werden –, wuchs seit den 1970er Jahren zunehmend das Verständnis einer partnerschaftlichen Kultur-Kooperation.”

Am Goethe-Wesen soll die Welt genesen?

Das Handeln des Goethe-Instituts muss also also sowohl idealistisch, als auch machtpolitisch betrachtet werden. Deutschland in all seiner Verleugnung des Eigenen will insgeheim doch Soft Power ausüben, aber selbst nicht in den Vordergrund treten. Es geht auch um eine Art der Läuterung: Wenn das Goethe-Institut progressive, ökologisch oder postkolonial ausgerichtete Projekte unterstützt, signalisiert Deutschland, dass es ein modernes, global verantwortliches Land sei. Immerhin finanziert das Goethe-Institut auch das “House of African Feminisms”. Hier wurde 2024 ein Projekt zu afrikanischen Feminismen ausgelobt, das nur für in Afrika lebende oder afrikanischstämmige Personen offen war und mit einem Stipendium von bis zu 2000 Euro pro Person entlohnt wurde. Eine der Geförderten besitzt zwar eine biografische Verbundenheit mit Europa - allerdings nicht mit Deutschland, sondern den Niederlanden

Das Goethe-Institut Nairobi scheint ebenfalls nicht interessiert an einem Austausch zu sein und hat 2022 mit “As Sasa Nairobi” ein allein Ostafrikanern offenstehendes Projekt realisiert

Das "Re-Sourced Program” Goethe-Institut Lagos, Nigeria richtet sich an sich neugegründete afrikanische Kunstinstitutionen und -residenzen. Ziel ist es, “intra-afrikanische und transkontinentale Mobilität und Austausch” zu fördern. Deutsche Beteiligung? Nicht erkennbar.

Das Goethe-Institut Yangon, Myanmar hat einen Wettbewerb ausgelobt, bei dem sich Künstler aus Myanmar und solche mit burmesischen Wurzeln die “in Deutschland, Südostasien oder anderen internationalen Orten leben” bewerben konnten. Auch hier sind Deutsche unerwünscht.

Pikant: Wenn die genannten Projekte neben solchen, bei denen sich Deutsche bewerben könnten stehen würden, wäre dies sicherlich weniger skandalös. Allerdings loben die genannten Institut derartige Deutschen affenstehende Ausschreibungen gar nicht erst aus.

Weder deutsche Kulturschaffende, noch die Vermittlung deutscher Kultur

Und wie steht es denn um die Vermittlung deutscher Kultur an sich? Das Konfuzius-Institut der Volksrepublik China hat es sich zur Aufgabe gesetzt, Ausländer für die chinesische Kultur zu begeistern. Wenn Wettbewerbe ausgerichtet werden, dann dafür, relevante Kenntnisse mit Chinabezug zu präsentieren. Auch Indien und Korea leisten sich rein auf nationale Kulturvermittlung beschränkte Institute. Auch das Goethe-Institut lobt Kultur-Wettbewerbe aus, wie beispielsweise die Filiale in Lima. So gibt es einen Plakatwettbewerb, bei dem anlässlich des Internationalen Frauentags Pionierinnen geehrt werden sollen, deren “Vermächtnis eine größere Aufmerksamkeit verdient”. Jedes Jahr soll eine andere Frau Aufmerksamkeit erfahren. Die fraglichen Frauen: Maria Reiche, Elena Izcue, Clorinda Matto und Yma Sumac - bis auf die Deutsch-Peruanerin Reiche niemand mit Deutschlandbezug. Inwiefern deutsche Kultur bei diesem Wettbewerb einen Platz finden wird ist auch hier unklar. 

Schlechte Arbeitsbedingungen beim Goethe-Institut

Wie sehen denn die Bedingungen für Deutsche, die mit dem Goethe-Institut zusammenarbeiten, aus?

Es hagelte bereits öfters Kritik: Sei es, dass die prestigeträchtigen Praktika unbezahlt sind und somit nur mithilfe von Stipendien oder familiärer Unterstützung zu stemmen sind - was viele ausschließen dürfte. Oder dass die Sprachlehrer oft nur als befristete Honorarkräfte angestellt waren, eine Praxis, die nur dadurch beendet wurde, weil die Rentenversicherung Scheinselbstständigkeiten vermutete. Eine Ausschreibung des Goethe-Instituts Nanjing ruft deutsche Schriftsteller dazu auf, eine Residenz in China zu verbringen. Allerdings: Das Honorar beträgt 800 Euro brutto pro Monat, während in Deutschland laufende Kosten bezahlt und eine Wohnung unterhalten werden müssen, gleichzeitig besteht für einen Monat eine Lehrverpflichtung von vier Wochenstunden an der Universität. Es müssen darüber hinaus ein bis zwei öffentliche Veranstaltungen absolviert und ein Reflexionsbericht verfasst werden. Diese Konditionen dürften nur für solche deutsche Literaten tragbar sein, die über alternative Einkommensquellen verfügen.

Auf eine Anfrage antwortete das Goethe-Institut nur mit Floskeln

Die Stärkung ausländischer Kulturinstitutionen soll ein breites Netzwerk schaffen, von dem letztlich auch deutsche Künstler durch Einladungen profitieren könnten. Immerhin betont das Goethe-Institut auf seiner Homepage: “Als das global tätige Kulturinstitut der Bundesrepublik Deutschland setzen wir uns für die Verständigung zwischen Deutschland, Europa und der Welt ein. […] Weltweit informieren wir über die kulturelle und gesellschaftliche Vielfalt Deutschlands und Europas.” Wie aber Reziprozität gemessen wird, ist nicht ersichtlich.

Auf eine Anfrage an die einzelnen Goethe-Institute reagierte die Zentrale ausweichend und spät. Man wollte die Fragen an die einzelnen Institute “bündeln”, lieferte aber auch hier keine fristgerechte Antwort. Man konnte oder wollte auch keine konkreten Zahlen zu den einzelnen Programmen liefern, sondern antwortete ausweichend:

"Als Kulturinstitut der Bundesrepublik Deutschland folgt das Goethe-Institut dem Grundsatz, dass kulturelle Zusammenarbeit nicht nur den interkulturellen Dialog bereichert, sondern auch einen wichtigen Beitrag zur Außenpolitik und zur weltweiten Wahrnehmung Deutschlands leistet. Indem wir kreative Projekte unterstützen, fördern wir den Austausch mit internationalen Partnern und positionieren Deutschland als vielfältigen Standort für kulturelle Innovation und künstlerischen Diskurs. 

Die Förderung von Kunst- und Kulturprojekten spielt dabei eine entscheidende Rolle. Unsere Programme und Initiativen richten sich sowohl an deutsche als auch internationale Künstlerinnen und Künstler, wobei offener Austausch und gegenseitige Inspiration zentrale Leitmotive sind. Durch unsere globalen Netzwerke unterstützen wir kreative Prozesse, die Brücken zwischen Kulturen bauen und neue Perspektiven eröffnen.   

Unsere Förderentscheidungen basieren auf klaren Kriterien, die auf Transparenz, Fairness und nachhaltiger kultureller Wirkung beruhen. Dabei achten wir darauf, lokale und internationale Partner einzubeziehen und innovative Formate zu entwickeln, die sowohl dem internationalen Kulturaustausch als auch den Interessen der beteiligten Kunstschaffenden dienen.   

Die Struktur unseres Förderwesens und die Verteilung von Budgets folgen der dezentralen Organisation des Goethe-Instituts. Dies ermöglicht es den einzelnen Instituten weltweit, gezielt auf die kulturellen Bedürfnisse ihrer jeweiligen Regionen einzugehen und Projekte entsprechend zu gestalten.   

Evaluationsprozesse sind integraler Bestandteil unserer Arbeit, da wir kontinuierlich die Wirksamkeit unserer Programme reflektieren. Dabei analysieren wir deren Beitrag zur internationalen Kulturvermittlung, zum Verständnis von Kultur in Deutschland sowie zur Stärkung zivilgesellschaftlicher Diskurse.”

Soweit, so floskelhaft. Inwiefern aber von einer Verständigung die Rede sein kann, wenn Deutschland allein die Rolle des Geldgebers zufällt, ist unklar. Was die Kriterien der erwähnten Evaluationsprozesse sein soll lässt sich ebenfalls nur mutmaßen. Die Legitimität von Programmen ohne den geringsten Deutschlandbezug lässt sich aus Perspektive des Steuerzahlers daher schwer nachvollziehen.



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