Totalitär & Unsicher: So gefährlich ist die EU-App zur 'Altersverifikation'
Symbolbilder: Freepik (2); Komposition: Der Status.
Passend zur Debatte über ein Social-Media-Verbot für Jugendliche in diversen Mitgliedsstaaten präsentiert die EU nun eine auf der Architektur der Corona-Überwachung basierende App zur Altersverifikation. Dabei vollbringt man es gleichzeitig, einen totalitären Schritt in Richtung der Kontrolle gläserner Bürger zu machen, sowie eine technisch unausgereifte Lösung zu präsentieren, die nicht nur leicht umgangen werden kann, sondern auch anfällig für Cyberangriffe ist.
So viel zur "freiwilligen" Digital-ID...
Bei den Teufeleien, mit denen die Mächtigen kritische Bürger gängeln wollen, stellt sich manchmal die Frage, ob die Vorstöße aus Bosartigkeit und Unfähigkeit heraus geboren werden. Im Falle der von der EU-Kommission vorgestellten App zur Altersverifikation scheint sich nun zu zeigen, dass beides gleichzeitig zutreffen kann. Unter dem Deckmantel des "Kinderschutzes" scheinen Regierungen weltweit plötzlich auf den Geschmack von Social-Media-Verboten für junge Menschen gekommen zu sein. Ein zentraler Aspekt ist dabei freilich, dass selbst Greise im Seniorenheim im Zweifel für den Surfgenuss im Internet noch nachweisen müssen, dass sie keine Jungspunde mehr sind.
Es geht also wohl um eine andere Agenda: Die Überwachung aller Bürger, die man so faktisch zur Nutzung einer nur vermeintlich "freiwilligen" Digital-ID zwingt. Dass EU-Chefin Ursula von der Leyen den "riesigen Erfolg" der digitalen Corona-Überwachung als Inspiration nennt, verstärkt den Eindruck. Missbrauch ist wohl nur eine Frage der Zeit, wie Thomas Oysmüller am "TKP-Blog" schreibt: "Wer die Infrastruktur kontrolliert, kontrolliert später auch den Schalter. Ein kleines technisches Update, begründet mit 'Sicherheitsgründen', 'Terrorabwehr' oder dem nächsten moralischen Notstand – und schon wird aus dem Altersnachweis ein vollständiges Bewegungs- und Nutzungsprofil."
Keine Datensicherheit bei EU-App
Die Behauptung, die App erfahre also nichts außer der Information, dass jemand über 18 Jahre alt ist und habe einen offenen Quellcode, soll die Bürger also eher einlullen als, dass es der Wahrheit entspricht. Dazu kommt nun allerdings auch, dass das Instrumentarium offenbar auch handwerklich miserabel ist. Denn der IT-Sicherheitsberater Paul Moore testete die Sicherheit der EU-App aufs Exempel - und brauchte gerade einmal 2 Minuten, um sich einzuhacken. So wird etwa der Anmelde-PIN verschlüsselt gespeichert - und zwar so, dass auch ein Angreifer die Präferenzen und den PIN zurücksetzen kann und dann trotzdem auf die alten Einstellungen zugreifen kann. Sein Resümee: "Diese App ist ein Witz!"
Hacking the #EU #AgeVerification app in under 2 minutes.
— Paul Moore - Security Consultant (@Paul_Reviews) April 16, 2026
During setup, the app asks you to create a PIN. After entry, the app *encrypts* it and saves it in the shared_prefs directory.
1. It shouldn't be encrypted at all - that's a really poor design.
2. It's not… https://t.co/z39qBdclC2 pic.twitter.com/FGRvWtWzaZ
Doch es kommt noch dicker: Verifizieren die Personen ihr Alter mithilfe eines Selfies, bleibt dieses gespeichert - Moore vergleicht dies mit der Speicherung einer Passfotografie "nur für den Fall", was so "verrückt wie unnötig" sei. Falls sich die App beim Versuch der Verifikation aufhängt, bleiben sogar biometrische Daten als verlustloses PNG-File im Cache gespeichert. Und die App lässt sich laut Moore mit den nötigen Kenntnissen sogar ziemlich gut austricksen - aufgrund eines Designfehlers, der sich paradoxerweise nur lösen ließe, indem man tatsächlich Personen einen nachverfolgbaren Schlüssel zuteilt. Ein Schelm, wer Böses bei der "Reparatur" im nächsten Schritt dabei mitdenkt...
Bypassing #EU #AgeVerification using their own infrastructure.
— Paul Moore - Security Consultant (@Paul_Reviews) April 16, 2026
I've ported the Android app logic to a Chrome extension - stripping out the pesky step of handing over biometric data which they can leak... and pass verification instantly.
Step 1: Install the extension
Step 2:… https://t.co/9zSony8Em4 pic.twitter.com/a5oQnf0n2Y
Andere Nutzer weisen sarkastisch auf weitere Absurditäten hin wie eine Höchstzahl von Altersverifikationen innerhalb bestimmter Zeiträume:
Die neue EU-App für den allgemeinen Altersnachweis – von Rechten auch abfällig Digitale ID genannt – wurde heute von unserer glorreichen und klugen Präsidentin Frau von der Leyen – Ehre Ihrem Namen – vorgestellt.
— Dr. Lockdown Viehler 💉x▇ 📯📯🎖️ (@LViehler) April 16, 2026
Das in meinen Augen beste Feature?
Nur eine begrenzte Anzahl and… pic.twitter.com/QTtuFSbwdB
Zwischen Papiertiger & Digital-Diktatur
Die angeblich "technisch bereite" App der EU kann also offenbar vieles - außer zuverlässig so "anonym" wie behauptet das Alter bestimmen. Gerade vor dem Hintergrund einer technisch affinen Jugend, die quasi "mit dem Smartphone in der Hand geboren" wurde, ist sie zur Altersverifikation an sich ein Papiertiger. Selbst dieses Vorhaben ist freilich demokratiepolitisch bedenklich, da man so offenbar im vorgeblichen "Kampf gegen Desinformation" auch verhindern will, dass sich junge Menschen abseits der polit-medialen Propaganda zu mündigen und kritischen Bürgern bilden können.
Bleibt somit die Rückkehr zur Verbindung des "Praktischen & Nützlichen" aus Sicht der Eliten. Und dort steckt die wahre Teufelei: Denn Menschen aller Altersgruppen müssen sich für digitale Teilhabe zu gläsernen Bürgern machen. Und die ist praktisch nötig: In Österreich etwa ist ein Steuerausgleich ohne "ID Austria" oder verwandte Identifikationsverfahren nur mehr sehr umständlich möglich. Und alle Daten, die von uns gesammelt werden können - insbesondere, wenn wir uns in sozialen Medien bewegen - kann einst das Sprungbrett sein, um die Bevölkerung zu kontrollieren und Dissidenten auszuschalten, und ein weiterer Schritt in Richtung einer Art "Sozialkreditsystem".
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