Gamification für Datenkraken: Liefer-Roboter dank 'Pokemon Go' trainiert
Symbolbilder: Freepik (2); Cosplayer: Oliver Ayala, Flickr, CC BY 2.0; Komposition: Der Status.
Erinnert ihr euch noch, als überall "Pokémon GO"-Spieler herumsprangen, um in der realen Welt die kleinen virtuellen Monster zu fangen? Nun stellt sich heraus: Das war kein harmloser Spaß, sondern ein soziales Experiment, um mithilfe der Menschen ein virtuelles Weltmodell zu kreiieren. So kamen rund Milliarden von Bildern zusammen, mit denen nun die künstliche Intelligenz von Liefer-Robotern trainiert wird.
"Pokémon GO"-Bilder schult Zustell-Roboter
Pikachu mitten auf der Autobahn, Schiggy auf einer Beerdigung, Relaxo im Pentagon oder das Giftgas-Pokemon Smogon im Holocaust-Museum: Nicht alle Orte, an denen man die Monster aus der erfolgreichen japanischen Videospiel-Reihe in der realen Welt fangen konnte, waren dafür objektiv geeignet. Aber weil man es quasi vor der eigenen Haustür spielen konnte, wurde es zum Renner. Plötzlich standen hunderte Leute an einem Brunnen, um Karpador zu fangen. Da wurden Spieler mithilfe von GPS-Daten und Standort-Lokalisierung wurden die Spieler auf einer Landkarte dargestellt, man konnte Spielmünzen mit echtem Geld kaufen - und fertig war die "erweiterte Realität".
Nun holt die Realität allerdings die Spieler von damals ein: Denn wenn der ganze Globus eine Spielwelt ist und überall Bilder - komplett mit Standort-Daten - aufgenommen werden, entsteht so ein fast lückenloses Abbild der Welt. Und das ganz, ohne dass etwa ein Google-Auto um viel Geld alle paar Jahre über die Güterwege der Nation düst. Das Unternehmen "Niantic", das hinter dem technischen Gerüst von Pokémon steht, ging nämlich eine Partnerschaft mit "Coco Robotics" ein - und machte diese nun öffentlich. Man will mithilfe der damaligen Fotodaten nun KI-Roboter für automatische Zustellungen trainieren, auch dort wo das GPS-Signal an seine Grenzen stößt.
This is wild.
— Mark Gadala-Maria (@markgadala) March 15, 2026
143 million people thought they were catching Pokémon. They were actually building one of the largest real-world visual datasets in AI history.
Niantic just disclosed that photos and AR scans collected through Pokémon Go have produced a dataset of over 30 billion… https://t.co/2bq79w6tUR
Schöne, neue, gläserne Gamification-Welt
Auf diese Weise können die Roboter ihren Standort - durch Erkennung und Abgleich von Gebäuden, Wahrzeichen & Co. - bis auf wenige Zentimenter genau feststellen. Besonders praktisch hierfür ist auch die "Feldforschung"-Funktion, die 2020 eingeführt wurde. Dort konnten Spieler im Spiel an Belohnungen gelangen, wenn sie etwa Wahrzeichen fotografierten. Und weil das aus allen erdenklichen Winkeln und Richtungen geschah, konnte Niantic sein 3D-Modell der Welt mit insgesamt 30 Milliarden Bildern füttern, wovon ein Gutteil - aber nicht alle - aus "Pokémon Go" stammen.
Aktuell sind die autonomen Roboter in Los Angeles, Miami, Chicago, Jersey City (alle USA) und in Helsinki am Weg. Mit bis zu 8km/h transportieren sie Einkaufstaschen, Pizzas & Co. umher. Verkauft wird das alles als Fortschritt und Nutzen für die Menschheit. Doch letztendlich ist es eine Mahnung, dass man Menschen über Gamification & Gruppen-Verhalten dazu animieren kann, ihre gesamte Welt unfreiwillig gläsern zu machen. Denn: Es wird nicht bei niedlichen, kleinen Zustell-Robotern bleiben. Längst steht im Raum, dass Geheimdienste sich Standort-Daten von Bürgern im großen Stil einkaufen. Und von da ist's nie weit bis zur Kontrolle der Bewegungsmuster von Regierungskritikern...
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